Fichtners blackout versenkt deutsche staffel – historisches debakel in kontiolahti

4:35 Minuten hinter dem Sieg, Rang 16 von 19, zwei Minuten Strafe wegen vergessener Patrone – das deutsche Frauen-Quartett liefert sich in Kontiolahti seine eigene Tragödie ab und stellt einen Negativrekord auf, der selbst erfahrene Biathlon-Statistiker stutzen lässt.

Marlene fichtners siebter schuss wird zum fluch

Die Katastrophe beginnt nach 250 Metern. Marlene Fichtner legt an, drückt ab – nichts. Die Scheibe bleibt stehen, die Nerven auch. Beim Nachladen rutscht ihr die achte Kugel durch die Finger, sie feuert nur sieben Mal, rennt trotzdem zum Ausgang. Sekunden später blinkt die Strafanzeige: „Patrone fehlt“. Die Folge: Strafrunde plus zweiminütige Zeitstrafe. 3:07 Minuten Rückstand nach dem ersten Schießen – die Staffel ist gelaufen, bevor sie richtig begonnen hat.

Im ZDF liefert Fichtner die Erklärung, die klingt, als würde sie sich selbst nicht glauben: „Die Scheibe fiel spät, ich hatte schon repetiert, da war ich raus aus dem Takt.“ Ihre Tränen lassen das Gesicht erfrieren, Teamkolleginnen umarmen sie, doch der Schaden ist längst angerichtet.

Tannheimer und hettich-walz können nur noch retten, was nicht mehr zu retten ist

Tannheimer und hettich-walz können nur noch retten, was nicht mehr zu retten ist

Julia Tannheimer versucht, die Bruchlandung abzufedern, schafft es aber nicht, die eigene Nervosität zu überspielen. Fünf Nachlader, kein Rhythmus, der Rückstand wächst auf fast drei Minuten – ohne Strafe. Janina Hettich-Walz, sonst die Ruheperson, patzt ebenfalls: drei Nachlader liegend, einer stehend, die Fahrt ins Ziel wird zur Schinderei.

Vanessa Voigt bekommt den Auftrag, eine Überrundung zu verhindern. Das gelingt ihr mit Ach und Krach, doch die Uhr stoppt bei 4:35,1 Minuten Rückstand – das schlechteste Ergebnis einer deutschen Frauen-Staffel seit Einführung der Disziplin 1989.

Der zweite fauxpas in einem winter voller ups

Der zweite fauxpas in einem winter voller ups

Erst im Dezember in Nove Mesto der Mixed-Coup, dann die Disqualifikation wegen falscher Gewehrhaltung. Jetzt das. Trainer Kristian Mehringer spricht von „Blackout-Kette“, Sportdirektor Mark Kirchner von „Kollektivem Blackout“. Die Verbandsspitze wird Fragen nach der mentalen Betreuung nicht mehr ausweichen können.

Schweden feiert vor dem eigenen Publikum den Sieg, Deutschland diskutiert über Köpfe und Konsequenzen. Die Saison endet mit einem Schlag ins Gesicht, der wehtun wird – und der lauter klingt als jede Schussserie der Konkurrenz.