Fichtner schießt sich in simon-schatten – kontiolahti wird zur deutschen mini-revolution
Julia Simon schreibt Geschichte, Marlene Fichtner schreibt sich in sie hinein. Die Französin holt im finnischen Kontiolahti den vierten Saisonsieg, die 22-jährige Oberstdorferin wird mit einem Fehler Vierte – und das ist nur die halbe Story.
Simon dominiert, deutschland rudert neu
12,5 km, 20 Frauen, 4 Schießeinlagen. Simon läuft 34:11,0 Minuten, trifft alles, steht wieder ganz oben. Dahinter explodiert das Rennen: Elvira Öberg stürmt trotz zwei Patronen auf Platz zwei, Anna Magnusson rutscht mit einer Strafrunde noch auf Rang drei. Fichtner feuert 19 Treffer, verpasst die Medaille um 14,9 Sekunden – klingt nach Kummer, ist aber ein Befreiungsschlag.
Denn hinter der ehemaligen Skilangläuferin kommt gleich ein ganzer Trupp. Vanessa Voigt wird Zwölfte, Selina Grotian Fünfzehnte, Janina Hettich-Walz Siebzehnte – das ergibt 48 Punkte für die Nationenwertung, mehr als Frankreich und Schweden zusammen. Es ist das erste Mal seit 2019, dass vier Deutsche unter den besten 20 landen, ohne dass der Name Preuß fällt.

Preuß-abschied, fichtner-aufschlag
Franziska Preuß hat in Peking aufgehört, das Loch war riesig. Fichtner stopft es mit Selbstvertrauen. Nach Platz fünf im Einzel und Platz vier im Massenstart steht sie in der Gesamtwertung bereits auf Rang acht – vor Dorothea Wierer, vor Linn Persson, vor jedem deutschen Idol der vergangenen Jahre. Ihr Kommentar im Ziel: „Ich weiß, dass ich schnell schießen kann, jetzt weiß ich, dass ich auch treffen kann.“
Die Uhr bestätigt es: Fichtner liegt beim dritten Schießen 1,2 Sekunden hinter Simon, sprintet dann 1,4 Sekunden schneller als die Französin – auf der 2,5-km-Schlussschleife. Das ist kein Zufall, das ist eine Ansage an die Konkurrenz.
Was das bedeutet
Simon fährt die große Kugel sicher nach Hause, aber das kleine deutsche Puzzle fügt sich. Mit Fichtner als neue Anführerin, Voigt als Stammgast und Grotian als Aufsteiger geht die DSV-Equipe mit Rückenwind nach Oslo – und dort liegt die nächste Chance, das Podest endlich komplett zu erobern. Die Französin mag unbesiegbar wirken, doch die Jagd hat begonnen. Deutschland ist wieder im Gespräch – lauter als seit Jahren.
