Femerling attackiert: 221-mal nationalspieler, jetzt jagt er den nächsten wm-traum mit u16-mädchen

Patrick Femerling, Deutschlands Rekordnationalspieler mit 221 Einsätzen, hat gerade die heißeste Nachwuchsmannung der Stadt übernommen – und niemand hat’s kommen sehen. Seit April leitet er die weibliche U16 des Friedenauer TSC, weil seine jüngere Tochter dort spielt und weil er „die vielen Mädchen, die wirklich Ball spielen wollen“, endlich fördern will.

Alba-legende, neuer underdog-coach

Die Meldung klang wie ein Scherz: der 2,14-Meter-Riese als Coach eines Berliner Kleinstvereins. Doch Femerling lacht nicht. Zehn Jahre Jungs-Leistungssport, fünf bei Alba, fünf beim DBB, danach Co-Trainer des Berliner Mädchen-Kaders 2011 – das reichte. „Jetzt ziehe ich mir die U16-Mädels rein, weil das Potenzial einfach da ist“, sagt er und streicht über seine Stoppelfrisur. Die Infrastruktur sei anders als bei den Jungs, klar, „aber gerade deshalb knallt es jetzt“. Gemeinsam mit Meg-Burnette Mäkitalo, langjähriger TSC-Trainerin, baut er ein Programm, das Talent bis zur DBBL und WNBA katapultieren soll. Kein Marketing-Sprech, nur Zahlen: in Friedenau trainieren derzeit 47 Mädchen zwischen zwölf und sechzehn Jahren – Tendenz steil.

Berlin bekommt eine zweite basketball-sonne

Berlin bekommt eine zweite basketball-sonne

Alba Berlin ist der Leuchtturm, klar. Aber ein einzelner Leuchtturm taugt nichts ohne Küsten, sagt Femerling und tippt auf die Landkarte. BASS, Spandau, BSC – sie alle liefern Spielerinnen. Jetzt reiht sich Friedenau ein. „Wenn wir über die Jahre eine breitere Spitze formen, entlastet das den ganzen Basketballkörper.“ Er spricht wie ein Ingenieur, der weiß, dass ein Dach nur steht, wenn die Fundamente stimmen. Die nächste Generation Nationalspielerinnen soll nicht mehr nur über Bayern oder Keltern kommen, sondern quer durch Berlin – vom Wedding bis zum Wannsee.

Gold-gag wird ernst

Gold-gag wird ernst

Vor der Männer-WM 2025 sagte er als Scherz: „Gold.“ Deutschland wurde Weltmeister. Jetzt wiederholt er den Witz – und meint es halb. „Wenn die USA nicht direkt im Viertelfinale auftaucht und wir mit Leonie Fiebich, den Sabally-Schwestern und Alex Wilke in Bestbesetzung antreten, ist an eine Medaille absolut zu denken.“ Die Weltmeisterschaft der Frauen vom 4. bis 13. September in Berlin sei mehr als Sport: „Die Halle brennt, die Mädels spielen toughen, attraktiven Basketball – das ist Vorbild pur.“

Kleiner verein, große hallen-träume

Kleiner verein, große hallen-träume

Ob Friedenau bald in der DBBL spielt? „Bräuchten erst mal eine Halle“, grinst Femerling und zeigt aus dem Fenster auf die provisorische Sporthalle aus Containern. Aber er träumt laut: „Wir wollen eine Talentschmiede sein, die Spielerinnen an die Alba-Damen, die Nationalmannschaft oder sogar in die WNBA liefert.“ 16 Mädchen haben sich seit seiner Verpflichtung zusätzlich angemeldet. Die Zahl spricht für sich – und zieht eine direkte Linie vom Container-Basketball zu den Final-Four-Lichtern. Femerling packt seine Trainingsuhr, sprintet zur nächsten Einheit. 221 Länderspiele waren gestern. Die nächste 221-Mädchen-Generation beginnt heute.