Fck kassiert in nürnberg k.o. für den aufstiegsträum

0:3 in Nürnberg, Saisonziel adé. Der 1. FC Kaiserslautern liefert ein Lehrstück darüber ab, wie man sich selbst zerlegt – und wie ein Virus die Resthoffnung ansteckt.

Die zweite minute war schon die vorentscheidung

Luka Lotschoshwili traf, ehe die Gästefans ihre Choreo überhaupt entrollt hatten. „Schlechter kannst du nicht in ein Spiel starten“, kommentierte Kapitän Marlon Ritter den Blitz-Knockout. Die Roten Teufel wirkten von da an wie betaubt, weil sie den Schock nie verdauten.

Adam Markhiev erhöhte per Strafstoß, Lotschoshwili nagelte den Deckel endgültig drauf. 21:6 Torschüsse spiegeln keine Dominanz, sondern Demütigung – und wer so auftreten darf, braucht sich nicht über zwölf Auswärtspunkte zu wundern, die eher an Abstiegskampf als an Spitzenreiter erinnern.

„Wie ein virus“ – lieberknecht spricht tacheles

„Wie ein virus“ – lieberknecht spricht tacheles

Trainer Torsten Lieberknecht schickte eine Ansage, nicht eine Analyse: „Da werden die Jungs auch mal ein anderes Gesicht von mir kennenlernen.“ Mit der Viruserklärung zeigt er, dass das Problem nicht taktisch, sonmental verankert ist. Kaum jemand tritt so konstant zweigeteilt auf: Betzenberg – Helden, Auswärts – Statisten.

Die Diskrepanz schmerzt besonders, weil sie eine Woche nach dem frenetischen 3:1 gegen Karlsruhe ins offene Fleisch schlägt. Der emotionale Turbo verpuffte völlig. „Wenn du solche Leistungen zeigst, brauchst du nicht vom Aufstieg träumen“, befand Ritter mit der nüchternen Wut eines Mannes, der weiß, dass die Saison jetzt nur noch ein Epilog ist.

5.000 Fans fuhren, niemand fuhr zurück

5.000 Fans fuhren, niemand fuhr zurück

Die Kulisse war gigantisch, die Quittung unmöglich. 5.000 Reisende sangen bis zur 83. Minute, dann herrschte Grabesstille. „Das ist nicht normal“, so Lieberknecht. „Als 1. FC Kaiserslautern darfst du dich nicht auf einem Derbysieg ausruhen.“ Die Worte klangen wie ein Ruck, doch es ist fraglich, ob die Mannschaft ihn noch aufnimmt.

Durch die Länderspielpause bekommt der Klub atempause, aber keine Lösung. Am Ostersamstag empfängt der FCK Fortuna Düsseldorf – ein letztes Heim-Feuerwerk, bevor die Mathematik endgültig zur Grausamkeit wird. Dort, wo die Fans stehen, will die Mannschaft endlich stehenbleiben. Ob sie’s kann? Die Saison liefert die Antwort – und sie lautet wohl: eher nicht.