Fc zürich stoppt thun und flüstert: europa ist noch drin
Zürich atmet auf, der Lettengraben bebt. Der FC Zürich schlägt Spitzenreiter Thun mit 2:1 und schraubt sich auf zehn Punkte Abstand zum Barrage-Platz. Die Liga pausiert, die Rechnung lautet: Sieben Spiele, sieben Chancen, Europa noch im Visier.
Hediger dämpft die euphorie nach 90 minuten gegenwind
Dennis Hediger tritt an die Mikro und spricht, als hätte sein Team gerade verloren. „Die Ausgangslage bleibt brisant“, sagt der Cheftrainer, während die Uhr im Mixed Zone noch die Nachspielzeit anzeigt. Er weiß: Ein Spieltag kann alles umkrempeln. Der AC St. Gallen wartet am Ostermontag schon mit dem nächsten Stresstest. Dort droht neue Kälte.
Die Zahlen sind dennoch hart. Vor der Pause hätte GC die Zürcher noch an den Fersen. Jetzt liegen zehn Punkte dazwischen. Der siebte Rang – letzter Europaparkplatz – ist nur zwei Zähler entfernt. Servette und Lausanne sind in Reichweite, Luzern fünf Punkte vorne. Der FCZ spielt plötzlich nach oben statt nach unten.

Kablan-deal: kultur vor kader
Chris Kablan sitzt zunächst in der Kabine, nicht auf der Bank. Der Verteidiger flog aus dem Aufgebot, weil die Trainingswerte nicht stimmten. Hediger formuliert es so: „Wir sind Profis, nicht Hobbyköche.“ Im Test gegen Altach dann die Antwort: Kablan räumt alles ab, gewinnt jedes Kopfballduell. Die Botschaft ist klar – Leistung ist die Eintrittskarte, der Name nur ein Fußnote.
Die Länderspielpause kam wie ein Schnaps nach einem Schreck. Die Knochen der gestressten Starter heilen, die Köpfe rauchen trotzdem. Hediger ließ seine Elf gegen Altach mit demselben Gesicht spielen, mit dem sie Thun zerlegt hatte. Die Folge: kein Bruch, sondern ein Befreiungsschlag mit Folge.

Letztes stück saison: jetzt zählt nur noch tagesform
Sieben Finals warten. St. Gallen, Lugano, Basel – alles Gegner, die selbst noch träumen oder bereits Albträume pflegen. Hediger rotiert nicht mehr, er rechnet. „Jeder weitere Platz schmeckt besser“, sagt er und meint damit, dass die Tabelle am Ende auch die Visitenkarte für Sponsoren und Spieler ist. Die Spieler verstehen: Wer jetzt streikt, fliegt raus aus Zukunftsplan und Kader.
Der FC Zürich hat die Kurve gekriegt, aber die Straße bleibt eng. Die Fans feiern den Sieg gegen Thun, Hediger feiert nicht mit. Er schaut auf den Spielplan und dann auf die Uhr. Ostermontag, 16.30 Uhr, St. Jakob-Park. Dort wird sich zeigen, ob der Befreiungsschlag der erste Schritt Richtung Europa oder nur eine letzte Zuckung war.
