Fc bayern alzenau: vier siege in sechs spielen – rettung in reichweite?

Platz 15, Abstiegszone, vier Punkte Rückstand – und trotzdem lächeln die Gesichter beim FC Bayern Alzenau. Die Rede ist vom Aufwärtstrend, der sich seit Wochen durch die Mannschaft von Kreso Ljubicic zieht. Vier Siege aus den letzten sechs Spielen, nur acht Gegentore in den vergangenen acht Partien – das klingt nicht wie ein Absteiger, sondern wie ein Team, das sich selbst neu erfunden hat.

Die abwehr ist das neue angriffsspiel

Die Wende kam mit dem Systemwechsel. Ljubicic stellte um auf ein 3-4-1-2, das bei Ballverlust sofort in eine kompakte Fünferkette umschaltet. Die Automatismen sitzen, die Laufwege sind eingespielt, und Alessio Samarelli wirkt zwischen den Pfosten wie ein Mann, der endlich wieder ruhig schlafen kann. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Alzenau ist nicht mehr das Schlachtfeld der Vorrunde, sondern ein Betonbunker mit Offensivfalke.

Doch der nächste Gegner ist kein Selbstläufer. Die TSG Balingen kommt als Tabellennachbar, nur drei Punkte vor Alzenau. Das Hinspiel ging 3:1 an die Schwaben, ein Ergebnis, das Ljubicic noch heute die Schamesröte ins Gesicht treibt. „Damals haben wir kein gutes Spiel gezeigt“, sagt er und klingt dabei wie ein Mann, der seine Rechnung noch offen hat. Diesmal will er mit einem „anderen Gesicht“ auftreten – und mit dem Heimvorteil im Rücken. In der eigenen Arena fühlen sich seine Spieler „pudelwohl“, ein Wort, das in Alzenau mittlerweile Programm ist.

Personalsorgen statt wintermärchen

Personalsorgen statt wintermärchen

Aber es gibt einen Haken. Marcel Wilke, der Kapitän, muss zuschauen – Gelb-Rot-Sperre. Ivan Ljubicic, der Winter-Neuzugang, fällt mit einem Bänderriss aus. Timucin Sen und Abdou Sarr sind ohnehin Langzeitverletzte. Paul Seikel laboriert weiter am Knie, Lukas Fecher steht nach einem grippalen Infekt zumindest wieder zur Verfügung. Hamza Boutakhrit kehrt zurück, aber das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Kreso Ljubicic sagt es so knapp wie klug: „Rumheulen bringt nichts.“

Und trotzdem glaubt er ans Wunder. Nicht an ein Fußballmärchen, sondern an die harte Realität von Laufbereitschaft, Einsatzwillen und Zweikampfstärke. „Wir sind in der Lage, gegen jeden Gegner Punkte zu holen“, sagt er – und das klingt nicht nach Motivationssprech, sondern nach einem Mann, der seine Truppe kennt. Vorstand Andreas Trageser sieht das genauso. Er spricht von „Feierabend-Kickern“, die sich zur „ernstzunehmenden Regionalliga-Elf“ entwickelt haben. Ein Satz, der in Zeiten von Millionen-Budgets und Akademie-Teams wie ein Relikt aus einer anderen Zeit klingt – und genau das ist sein Charme.

Die Saison ist noch lang, der Abstand auf den rettenden 14. Platz beträgt sieben Zähler. Aber wer Alzenau in den letzten Wochen gesehen hat, weiß: Die Mannschaft hat nicht nur Punkte geholt, sondern auch ihr Selbstvertrauen. Ljubicic hat einen Vertrag bis 2027, die Flutlicht-Spendenaktion läuft auf Hochtouren, 60.000 Euro von 80.000 sind bereits eingesammelt. Es gibt also mehr als nur Fußball, um nach vorne zu schauen. Am Samstag gegen Balingen zählt aber erst einmal nur eins: ein Sieg. Alles andere wäre fast schon das Ende des Märchens – und das wäre nicht nur sportlich, sondern auch menschlich eine Schande.