Thw kiel: tiefpunkt nach 23 jahren – kann die "alte dame" zurückkommen?
Die Schlusssirene in Lemgo hallte nicht nur das Ende eines Spiels, sondern das Ende einer Ära in Kiel ein. Der THW Kiel, einst unangefochtener Handball-Gigant, hat die schlechteste Saison seit 2002/03 überstanden und verpasst nicht nur die Champions League, sondern auch die European Handball League. Ein Schock für den Verein und seine treuen Fans.
Die ursachen des debakels: verletzungen und verpasste chancen
Ex-Welthandballer Daniel Stephan sprach im SPORT1-Interview Klartext: "Der Nimbus ist gebrochen worden." Kiels einst gefürchtete Dominanz ist einer Kombination aus Verletzungspech und taktischen Fehlentscheidungen zum Opfer gefallen. Die Ausfälle von Emil Madsen und Elias Ellefsen a Skipagotu waren zweifellos schwerwiegend, doch Stephan betont: "Trotzdem darf man als THW Kiel manche Spiele, die verloren gingen, auch mit einer dezimierten Truppe auf keinen Fall verlieren."
Das Problem liegt tiefer. Stephan kritisiert auch die Leistungen der Torhüter Andreas Wolff und Gonzalo Pérez de Vargas: "Ich habe mir von den beiden mehr versprochen. Eigentlich ist das eine Kombination, die besser nicht gehen kann." Auch die Kaderzusammenstellung wird in Frage gestellt: "Der Kader von Kiel gehört nicht zu den ersten drei der Bundesliga." Flensburg, Magdeburg und Berlin sind besser aufgestellt – ein Fakt, der die Kieler Verantwortlichen schmerzt.

Personelle turbulenzen verstärken die krise
Die sportliche Misere wurde noch durch ein Beben im Aufsichtsrat verschärft. Der Rücktritt von Marc Weinstock und Jens Binek im Dezember und die vorzeitige Entlassung der Geschäftsführerin Alisa Türk im März zeigten ein Bild von innerer Zerrissenheit und fehlender strategischer Führung. Der Verein schweigt zu den genauen Gründen für diesen "vorgezogenen Neuanfang".
Das Team steht nun vor einem Neuanfang. Die Verpflichtungen von Julian Köster, einem Leistungsträger der Nationalmannschaft, und Domen Makuc, Champions-League-Sieger mit Barcelona, sind ein klares Signal. Köster soll frischen Wind in die Mannschaft bringen, und die Rückkehr der verletzten Madsen und Skipagotu verspricht Stabilität im Rückraum. Ob es reicht, um die "Alte Dame" wieder zu alter Stärke zu führen, wird die nächste Saison zeigen.
Die Konzentration auf die Bundesliga könnte ein Vorteil sein. Die Abwesenheit auf der internationalen Bühne kann Ansporn sein, in der heimischen Liga zu dominieren. Doch die Aufgabe ist gewaltig. Der THW Kiel muss nicht nur sportlich wieder aufholen, sondern auch das Vertrauen der Fans und Sponsoren zurückgewinnen. Das wird ein langer und steiniger Weg.
