Odermatts eltern enthüllen: 2388 skitage, tränen in kitzbühel und warum sie wegschauen, wenn maricos plakat hängt

2388 Tage Ski. Kein PR-Gag, kein Sponsor-Talking. Das steht in Walter Odermatts privater Excel-Liste. Der Vater des grössten Schweizer Skistars zählt seit Maricos erstem Wedel Tag für Tag mit – und liefert damit die harte Antwort auf alle, die den Erfolg des Weltcup-Königs mit „Talent und Glück“ abtun.

Doch hinter der Zahl versteckt sich eine Familiengeschichte, die so viel Überdruck erzeugt, dass Mutter Priska während des Rennens putzt, um nicht vor dem Bildschirm zu explodieren. „Ich muss mich ablenken. Wenn Marco im Ziel ist, gehe ich erst vor den Fernseher“, sagt sie. Walter sitzt daneben, starrt aufs Live-Timing und murmelt: „Irgendwie habe ich immer noch das Gefühl, das sei ein Film.“

Die kitzbühel-nacht, in der marco heulte – und die schneiderinnen schon warteten

Januar 2026. Zweiter Platz in der Streif. Für andere ein Grund zu feiern, für Marco den Moment, als „die brutale Spannung von ihm abfiel“. Walter erinnert sich: „Er kam ins Hotel, drei Schneiderinnen schwirrten um ihn herum, er stand noch in Skisocken. Dann ging er ins Zimmer und weinte.“ Priska: „Danach war es abgeschlossen.“ So schnell kann ein Podestplatz zur Nebensache werden, wenn der Sohn danach fragt, ob zuhause noch Milch im Kühlschrank steht.

Die Odermatts haben gelernt, mit dem Ruhm zu leben – indem sie ihn ignorieren. „Wenn in einem Skigebiet ein grosses Plakat hängt, schaue ich weg“, sagt Walter. Priska schneidet trotzdem jeden Artikel aus und legt ihn ab. „Für uns ist Marco einfach der Marco. Bei uns zu Hause reden wir fast nie übers Skifahren.“

Warum drei olympia-medaillen ohne gold einigen leuten „nichts wert“ sind

Warum drei olympia-medaillen ohne gold einigen leuten „nichts wert“ sind

Die Familie erlebte, wie Social-Media-Experten nach Peking fragten: „Nur Silber?“ Priska empört sich: „Marco hat drei Medaillen gewonnen, aber die Leute haben das Gefühl, das sei nichts wert, wenn es keine goldenen sind.“ Walter kocht: „In einer solchen Situation würde ich am liebsten sagen: Spinnst du eigentlich?!“ Für sie ist klar: „Das Schlimmste ist, wenn die Kinder alles bekommen. Sie sollen noch etwas haben, das sie erreichen können.“

Die nächste Zielscheibe ist schon in Sicht: die WM in Saalbach. Doch die Eltern träumen schon vom Danach. „Mir fehlen heute gemütliche Skitage“, sagt Walter. Priska hofft, „dass er gesund aufhören kann, dann, wenn er es für richtig hält“. Bis dahit gilt: Excel-Datei weiterführen, Putzlappen bereitlegen, Tränen auffangen. 2388 Tage sind nur die bisherige Bilanz. Die Geschichte ist noch nicht abgeschlossen – und Walter will jede Zelle vollständig haben.