Fabregas zerreißt italiens traineretikette: gasperini, allegri, conte – keiner ist sicher
Cesc Fabregas kam als Hoffnungsträger nach Como. Mittlerweile fürchtet ihn das halbe Trainerlager der Serie A. Nach dem 2:2 in Rom schmiss Gian Piero Gasperini ohne Handschlag in die Kabine – und der Spanier konterte live vor laufender Kamera: „Antisportlich. Respektlos.“
Der spanienschellen-kurs beginnt
Seit einem Jahr trommelt der 39-Jährige durch die Peninsula. Kommt Como, knallt es. Erst ging es gegen Alessandro Nesta, dann gegen Igor Tudor („Er nennt mich Como-Trainer, ich nenne ihn Mister Tudor“), danach gegen Antonio Conte („Eure Spieler simulieren auch“) und zuletzt gegen Max Allegri, der ihm an der Seitenlinie ein „coglione“ nachwarf – drei Spieler Sperre für den Milan-Coach.
Die Zahl der Konflikte: neun in 26 Spieltagen. Die Bilanz: vier Siege, drei Remis, zwei Niederlagen, wenn Fabregas vorher Streit hatte. Statistisch profitiert Como vom Theater. Die Liga schaut trotzdem mit gemischten Gefühlen.

Provokation als taktik
Was wie Ego wirkt, ist Kalkül. In Cagliari ließ das Heimteam das Gras stehen, um Como’s Ballbesitz-Spiel zu ersticken. Fabregas schickte seine Mannschaft auf Long-Balls und Umschaltkonter – 3:1-Auswärtssieg. „Wir bereiten uns auf das vor, was der Gegner uns vorenthält“, sagt er. Die Psychosequenz gehört zum Matchplan.
Die Presseabteilung des Klubs sendet Clips mit Titel „Cesc reagiert“ noch vor DAZN-Schluss. Klicks garantiert. Die Liga prüft, ob seine Post-Match-Rants Schiedsrichterbeurteilungen beeinflussen – bislang keine Anklage.

Italiens antwort: schweigen oder sperre
Gasperini weigert sich seither, Fragen zu Como zu beantworten. Allegri lässt seine Pressekonferenzen vom Klub abfiltern. Conte schickt Assistenten. Einzig Spalletti lacht: „Er erinnert mich an Mourinho 2010. Nur mit mehr Ballbesitz.“
Fabregas selbst gibt sich inzwischen schulterzuckend: „Ich bin kumasche, Comasco. Hier geht’s um Punkte, nicht um Freundschaft.“ Ob er jemals die Emotionen zügelt? „Wenn das Spiel ruft, antworte ich – Punkt.“
Bis zum Saisonende stehen noch fünf Auswärtsspiele an. Fünf Stadien, fünf Trainer, eine Gewissheit: Cesc wird sprechen. Und Italien wird wieder zuschauen – zwischen Faszination und Fremdscham.
