Everest-besteigung gefährdet: riesige eiswand blockiert kumbu-eisfall!
Kathmandu – Die Vorbereitungen für die kommende Frühjahrssaison am Mount Everest liegen im Stillstand. Ein riesiger, instabiler Eisblock, der sich über den berüchtigten Kumbu-Eisfall spannt, hat die Arbeiten der sogenannten „Eisdoktoren“ – den sherpa-Spezialisten, die die Kletterroute mit Seilen und Leitern ausstatten – erheblich verzögert. Die Situation ist so angespannt, dass das Tourismusministerium Nepal inzwischen internationale Experten angefordert hat.

Die tickende zeitbombe über dem eisfall
Das monströse Eisgebilde, dessen Gewicht auf mehrere Millionen Tonnen geschätzt wird, stellt eine immense Gefahr dar. Jeder Ruck oder Bruch könnte eine verheerende Lawine auslösen, und das in einem der tückischsten Abschnitte des Aufstiegs. „Wir können das Eis nicht entfernen“, erklärte Himal Gautam, Sprecher des Tourismusministeriums. „Deshalb warten wir ab und beobachten die Lage genau.“ Die Entscheidung, Experten hinzuzuziehen, wurde in einer Dringlichkeitssitzung der Regierung getroffen, um das Risiko zu minimieren und die Sicherheit der Bergsteiger zu gewährleisten.
Bisher wurden 410 Genehmigungen für die Everest-Besteigung ausgestellt, womit Nepal den Rekord von 479 Genehmigungen aus dem Jahr 2023 in Reichweite hat. Doch die Verzögerung am Kumbu-Eisfall wirft bereits lange Schatten auf die gesamte Saison. Rishi Bhandari, Generalsekretär des Expeditionsveranstalter-Verbandes, warnt: „Die Lawinengefahr ist nicht die einzige Sorge. Auch eine Überlastung der Route später in der Saison ist ein ernstes Problem.“
Der Kumbu-Eisfall selbst ist ein dynamisches Gletschergebiet, durchzogen von tiefen Spalten und riesigen Eisblöcken. Kletterer versuchen, diesen Abschnitt meist nachts oder früh morgens zu überwinden, wenn die Temperaturen am niedrigsten sind und das Risiko eines Eissturzes geringer ist. Die Vergangenheit hat gezeigt, wie tückisch dieser Ort sein kann: 2014 forderte ein Eissturz 16 sherpa-Guides das Leben und zwang zur Absage der gesamten Saison. Obwohl die Route seitdem angepasst wurde, bleibt die Gefahr allgegenwärtig. Im vergangenen Jahr kamen drei Bergsteiger durch den Einsturz einer Eisformation ums Leben.
Dawa Steven Sherpa, Geschäftsführer von Asian Trekking, rät den „Eisdoktoren“, die Stabilität des Eises genau zu prüfen. „Sollte sich das Eis nicht beruhigen, muss eine alternative Route in Betracht gezogen werden – was jedoch eine enorme logistische Herausforderung darstellen würde.“ Die Vorbereitung der Route bis zum Camp II (6.400 Meter) ist essenziell, um die gesamte Kletterkette in Gang zu setzen. Dazu gehören der Transport von Sauerstoffflaschen, Zelten und Verpflegung durch Träger und Sherpas, während die Bergsteiger gleichzeitig ihre Akklimatisierungsaufstiege absolvieren.
Die Situation hat bereits 5,98 Millionen US-Dollar an Einnahmen durch Genehmigungsgebühren eingebracht – die höchste Summe, die Nepal jemals vom Everest erhalten hat. Doch angesichts der gefährlichen Bedingungen und der potenziellen Verzögerungen bleibt die Frage, ob der wirtschaftliche Gewinn die Sicherheit der Bergsteiger aufwiegen kann. Die kommenden Tage werden entscheidend sein, um die Risiken zu bewerten und eine sichere Route zum Gipfel des höchsten Berges der Welt zu gewährleisten.
