Everest-besteigung: eisstufen-chaos verzögert gipfelstürmung
Die diesjährige Everest-Saison steht vor einer Zerreißprobe: Die begehrte Khumbu-Eisstufe, der Schlüssel zur Gipfelbesteigung, hat sich verspätet geöffnet – und das birgt erhebliche Risiken für die ambitionierten Bergsteiger.
Ein serac bedrohte die route
Acht Tage später als im Vorjahr konnten die erfahrenen Bergführer die gefährliche Passage endlich sichern. Ein massiver Serac, eine instabile Eisformation, hatte die Region unter ernsthafte Lawinengefahr gestellt. Ein Team aus 13 Mitgliedern der Expedition Operators Association of Nepal (EOAN) und acht spezialisierten Eiskletterern arbeitete fieberhaft daran, die Route zu räumen und mit Seilen zu sichern. Zunächst erreichten sie das Camp 1, dann das Camp 2.
Pemba Sherpa, Koordinator für die Seilinstallation der EOAN, bestätigte, dass ein weiteres Team bereits auf dem Weg ist, um die Strecke vom Camp 2 bis zu den Gipfeln des Everest und des Lhotse zu sichern. Die Route durch die Khumbu-Eisstufe, durch das Westschulter-Tal und hinauf zur Nuptse-Flanke ist für jeden Alpinisten obligatorisch, der den Everest, den Lhotse oder die Nuptse in Angriff nehmen will. Ein Bild des bedrohlichen Seracs, aufgenommen vom Fotografen Manish Maharjan (@manish.maharjan444 auf Instagram), verdeutlicht die prekäre Lage.

Staugefahr am gipfel?
425 Genehmigungen wurden für den Everest in dieser Saison vergeben, verteilt auf 42 Expeditionsteams. Für den Lhotse liegen 111 Genehmigungen vor. China führt mit 98 Genehmigungen, gefolgt von den USA (57) und Indien (46). Die einwöchige Verzögerung bei den Akklimatisierungsrouten zur Spitze lässt nun Befürchtungen aufkommen, dass sich Hunderte von Bergsteigern gleichzeitig auf den Weg zum Gipfel machen könnten. Die Gefahr von Staus und Warteschlangen in den kritischen Zonen ist real – ein Szenario, das bereits in der Vergangenheit für gefährliche Situationen gesorgt hat.
Die Situation ist angespannt. Die Bergsteiger müssen sich nicht nur mit dem Serac und den potenziellen Staus auseinandersetzen, sondern auch mit der Höhe und den extremen Wetterbedingungen. Die Entscheidung, ob und wann sie den Gipfelsturm wagen, wird von den Bedingungen vor Ort und der Erfahrung der jeweiligen Teams abhängen. Die diesjährige Saison könnte sich als eine der herausforderndsten in der Geschichte des Everest erweisen.
