Evenepoel-strategie: riskante vorbereitung auf die tour?
Barcelona – Remco Evenepoel, der belgische Superstar der Red Bull-Bora-hansgrohe Mannschaft, geht mit einer höchst ungewöhnlichen Strategie in die Tour de France 2026. Nach seinem dritten Platz in Lüttich-Bastogne-Lüttich hat der zweimalige Tour-Etappensieger seit dem 26. April kein Rennen mehr bestritten. Stattdessen gönnte er sich eine fast 70 Tage lange Pause, die aber keineswegs untätig war, sondern Teil eines radikal neuen Trainingsplans.

Ein ungewöhnlicher ansatz zur höchstleistung
Während andere Fahrer ihre Form in Rennen hielten, konzentrierte sich Evenepoel auf ein intensives, rennfreies Training. "Ich kann mich auch im Training vorbereiten. Ich brauche nicht unbedingt Rennen, um bereit zu sein," erklärte der 26-Jährige in einem Zoom-Gespräch. Dieser Ansatz steht im krassen Gegensatz zu seiner Vorbereitung im vergangenen Jahr, als er das Critérium du Dauphiné als Generalprobe nutzte – mit wenig Erfolg. Damals erreichte er lediglich einen vierten Platz und wirkte laut seinen eigenen Angaben "ausgequetscht" am Start der Tour.
Die Enttäuschung des Vorjahres, gepaart mit einem schweren Trainingssturz im Dezember 2024, ließ Evenepoel die Grundlagen für eine erfolgreiche Tour-Teilnahme vermissen. Er startete 2025 spät in die Saison und wollte nun die Basis für 2026 legen. Der Fokus lag auf einer intelligenten Gewichtsreduktion, bei der er Muskelmasse behielt. "Wir sind die Gewichtsabnahme auf intelligente Weise angegangen. Mein Gewicht ist gesunken, aber die Kraft ist geblieben," betonte er.
Doppelspitze mit Lipowitz: Eine neue Taktik für die Bergwellen
Evenepoel wird bei der Tour 2026 mit dem deutschen Vorjahresdritten Florian Lipowitz eine Doppelspitze bilden. Lipowitz, der bei der Slowenien-Rundfahrt kürzlich drei Etappen für sich entscheiden konnte, bringt frische Rennerfahrung mit. Es bleibt abzuwarten, ob diese taktische Neuerung Früchte tragen wird. Evenepoel zeigte sich optimistisch: "Die Trainings waren gut. Ich konnte alles absolvieren, selbst bei extremer Hitze. Ich gehe mit einem völlig anderen Gefühl an den Start."
Die Frage, ob diese riskante Vorbereitung Früchte tragen wird, bleibt offen. Kann Evenepoel seine Form ohne Wettkampfpraktik aufrechterhalten? Oder wird er erneut am Berg an seine Grenzen stoßen? Die Antwort liefert die Tour de France selbst.
