Evenepoel stürzt, lacht trotzdem: „gestern gebremst, heute zurück“
Remco Evenepoel ist vom Asphalt geküsst, aber nicht geknackt. Der Belgier rappelte sich nach seinem spektakulären Sturz im Finale der dritten Etappe der Volta a Catalunya auf, schüttelte Ellenbogen, Hüfte, Rücken – und fuhr weiter. Grünes Licht vom Teamarzt, grünes Licht vom Champion.
Ein kreisverkehr riss das duell der titanen auseinander
Die Szene war fast zu perfekt inszeniert: Evenepoel und Jonas Vingegaard, beide im Windschatten der Siegchance, beide im Kreisverkehr des letzten Kilometers. Dann das Schlagloch, das niemand auf dem Streifenfilm erwartet. Evenepoel touchierte die Kante, Vingegaard konnte ausweichen, der Belgier landete auf dem Asphalt. Die Siegambitionen zerplatzten, die Haut blieb heil.
„Ich stehe noch“, sagte er am Teambus, während das Kamerateam schon den nächsten Live-Einsatz plante. Die Diagnose: Prellungen, nichts Gebrochenes. Die Botschaft: Weiterfahren. Die 4. Etappe wurde zwar auf 123 Kilometer gekürzt und die Bergankunft in Vallter 2000 wegen Sturmalarms abgesagt, aber selbst eine entschärfte Strecke ist besser als ein Krankenhausflur.

Red bull-bora-hansgrohe zitiert via whatsapp
„Es hat mich gestern gestoppt, aber nicht für den Rest der Woche“, lautete die Nachricht, die das Social-Media-Team des deutschen Rennstalls in die Welt schickte. Kein Pathos, kein Drama – nur ein Fahrer, der weiß, dass die Saison noch lang ist und die Grand Tours noch länger. Evenepoel selbst sparte nicht mit Ironie: „Die Zusammenarbeit mit Jonas war toll, nur der Kreisverkehr war kein Teamplayer.“
Die Verkürzung der Etappe entzieht ihm zwar eine weitere Bühne für sein bergiges Solospektakel, verringert aber auch das Risiko, dass der Wind ihn erneut aus dem Sattel pustet. Die Wetterfrösche warnen weiterhin vor Böen mit über 70 km/h auf den Höhenzügen Kataloniens. Für Evenepoel heißt das: Kraft sparen, Haut schonen, Kopf kühlen.

Die rechnung nach drei tagen: null sekunden rückstand aufs podium
Trotz Sturz und verpassten Bonussekunden liegt der 25-Jährige nur 24 Sekunden hinter dem Führenden – ein Defizit, das sich auf den noch kommenden Bergetappen von Port Ainé bis Montserrat mehr als aufholen lässt. Die Frage ist nicht, ob er angreift, sondern wann. Sein direkter Rivale Vingegaard dürfte nach dem Selbstversuch des Vorjahres ebenfalls auf Hochtouren lauern.
Die Volta zieht sich noch bis Sonntag durch die Pyrenäen. Evenepoel hat bereits angekündigt, dass er „nicht zur Schau, sondern zur Attacke“ fahren wird. Die Hautwunden sind verbunden, das Ego ebenfalls. Wer denkt, ein Sturz würde ihn bremsen, kennt den Belgier nicht. Seine nächste Chance: Freitag, 156 Kilometer, drei Anstiege, kein Kreisverkehr.
