Evenepoel flieht vom schneebedeckten teide – polizei chauffiert den tour-hoffnungsträger zum flieger
Remco Evenepoel stand im Schnee, sah auf den verwehten Vulkan Teide und wusste: Jetzt oder nie. Der belgische Doppel-Olympiasieger muszte aus dem Höhentrainingslager auf Teneriffa raus, sonst verpasst er die Katalonien-Rundfahrt – und damit das letzte große Testlabor vor der Tour de France. Die Lösung: eine Polizeieskorte über verschneite Serpentinen, damit der Star von Red Bull-Bora-hansgrohe noch rechtzeitig in Girona landet.
Schnee stoppt selbst die besten beine der welt
„Wir sitzen seit zwei Tagen fest, niemand kommt hoch oder runter“, hatte Evenepoel auf Instagram geschrieben. Die Straßen rings um den Pico del Teide waren nach ungewöhnlichen Schneefällen glatt wie Eis, die Busse der Teams rollten nicht, Flüge fielen aus. Wer sich in 2.300 Metern Höhe verschanzt, um rote Blutkörperchen zu produzieren, kann plötzlich nur noch abwarten. Doch abwarten ist für einen Kapitän, der im Juli das Gelbe Trikot angreift, kein Luxus.
Die flämischen Medien berichten von einem Konvoi: Ein Streifenwagen vor, einer hinter Evenepoels Teamwagen, Spikes unter den Reifen, Tempo 30, dafür durch. Die 50 Kilometer bis zum Flughafen Teneriffa-Süd dauerten fast doppelt so lang wie ein Flacher Etappensieg, aber die Maschine wartete. Um 14:30 Uhr Ortszeit hob der Privatcharter ab, Kurs Nordosten, Richtung Katalonien.

Lipowitz und evenepoel: duell statt duo?
Ab Montag teilt sich der 24-jährige Deutsche Florian Lipowitz mit Evenepoel nicht nur das Hotelzimmer, sondern auch die Favoritenrolle. Das 72-Stunden-Rennen durch Katalonien ist ihr zweites gemeinsames Rennen nach dem Sieg im Mannschaftszeitfahren auf Mallorca – und zugleich ein erster Schlagabtausch. Lipowitz gilt als Berg-Talent mit TT-Stärke, Evenepoel als Doppel-Olympiasieger mit Ego. Intern heißt es, der Belgier fahre „mit Startfreigabe“, der Deutsche „mit Beobachtungsauftrag“. Wer fährt sich in den Vordergrund, liefert erste Antworten auf die Frage, wer im Juli die echte Nummer eins bei Bora ist.
Und dann ist da noch Jonas Vingegaard. Der dänische Doppel-Tour-Sieger nutzt die Katalonien-Rundfahrt als letzten Härtetest vor seinem eigentlichen Saisonziel Giro d’Italia. Seine Formkurve zeigt nach dem Sieg bei Paris-Nizza steil nach oben. Für Evenepoel und Lipowitz heißt das: Keine Ruhe auf Augenhöhe, sondern Druck von vorn und Konkurrenz aus dem eigenen Camp.

Der countdown läuft – 95 tage bis zum grand départ
Die Bilder vom Teide gehen um die Welt: Radsportler, die im Schnee stapfen, statt auf Asphalt zu sprinten. Doch wer glaubt, das Wetter habe Evenepoel gestoppt, kennt den Belgier nicht. Er hat schon in der Vuelta spanische Brennöfen ausgekocht, er hat in Tokio im Regen Gold geholt. Jetzt sitzt er im Flieger, Laptop auf, Wattwerte im Kopf, und weiß: Jeder Tag, den er verpasst, nutzt Vingegaard. In Katalonien beginnt die Tour de France bereits am Montag – zumindest in seinen und Lipowitz’ Köpfen.
95 Tage bleiben, bis die Peitze in Florenz fällt. Evenepoel hat heute bewiesen, dass er auch über vereiste Pässe kommt. Ob er im Juli auch über die Alpen und Pyrenääen kommt, wird sich zeigen. Die Polizei wird ihm dann niemand vorausfahren.
