Eva lys verpulvert drei matchbälle – und ist nach 86 minuten raus
Bad Homburg kocht bei 33 Grad, und in der Hitze zerfällt die deutsche Hoffnung wie Schokolade im Handschuhfach. Eva Lys, Weltranglisten-77., verschießt im Tiebreak gleich drei Satzbälle gegen Emma Navarro und verlässt nach 6:7 (6:8), 3:6 als Letzte ihrer Landsfrauen das Rasen-Turnier. Die Generalprobe vor Wimbledon endet in blanker Frustration.
Chancenverwertung bei gluthitze
Die ersten zwanzig Minuten versprachen noch das Gegenteil. Lys prescht nach vorn, schlägt druckvolle Inside-Out-Forehands und zwingt Navarro, Weltranglisten-24., in die Defensive. Beim Stand von 6:5 und Aufschlag Navarro hat die Hamburgerin den Satz auf dem Schläger – und verzieht eine leichte Rückhand longline ins Aus. Zwei weitere Satzbälle folgen, zwei weitere Fehler. Das Tiebreak kippt, im zweiten Satz kippt Lys.
Die US-Amerikanerin läuft nicht nur kühler, sondern auch cleverer. Sie rückt früher an die Grundlinie, zieht Tempo raus und lässt Lys laufen. Die 23-Jährige wischt sich zwischen den Ballwechseln den Schweiß aus den Augen, zerrt an ihrem Trikot, als wolle sie die Last der Erwartung abstreifen. Übrig bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Wimbledon rückt näher, die fragen auch
Nächste Woche geht es auf die heiligen Plätze von SW19. Dort erreichte Lys 2023 noch locker die Runde der letzten 64 – diesmal droht ihr eine schwere Auslosung, weil ihr Ranking nach unten rutscht. Die Hitze? Die wird in London vermutlich moderater, das mentale Loch bleibt. „Bei dieser Hitze fühlt sich Profitennis nach einem fragwürdigen Lebensentwurf an“, hatte sie auf Instagram geschrieben. Jetzt klingt der Satz wie eine düstere Prophezeiung.
Trainerin Barbara Rittner wird in den nächsten 48 Stunden mit ihr analysieren, warum die Nerven bei den wichtigen Punkten versagen. Die Antwort liegt nicht im Thermometer, sondern im Kopf. Und der tickt aktuell lauter als die Schiedsrichter-Uhr.
