Europapokal-finale: petersen überrascht – „im leben nicht gedacht!“

Der Jubel ist noch nicht verhallt, der Platzsturm in Freiburg legendär – und Ex-Profi Nils Petersen ist immer noch fassungslos. Der SC Freiburg, seine ehemalige Wirkungsstätte, steht tatsächlich im Finale der Europa League. Ein Traum, von dem kaum jemand geträumt hätte, und das sagt auch der Mann, der neun Jahre lang das Trikot der Breisgauer trug.

Die rekordmarke und die pokaltränen

Die rekordmarke und die pokaltränen

Für Petersen, dessen Name untrennbar mit dem Sport-Club verbunden ist, war die Nachricht vom Einzug ins Finale eine riesige Überraschung. Einst Rekordtorschütze des Vereins mit 105 Treffern – nur von Vincenzo Grifo übertroffen – und zweimaliger Finalist im DFB-Pokal (2022 verloren im Elfmeterschießen), hatte er die Europapokalreise des SCF nicht unbedingt auf dem Zettel. Die bittere Niederlage im Pokalfinale bleibt zwar in Erinnerung, aber die aktuelle Europa-League-Saison ist eine Geschichte für die Geschichtsbücher.

„Ich habe die Auslosung der Gruppenphase gespannt verfolgt“, so Petersen im Gespräch mit dem SWR. „Die Gegner waren sportlich machbar, aber nicht so attraktiv wie die des VfB Stuttgart. Aber im Leben nicht, wirklich im Leben nicht, hätte ich gedacht, dass der SC am Ende im Finale steht!“

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm das Derbyspiel gegen den FC Basel. Die Nähe der beiden Städte – knapp 70 Kilometer – machten das Duell zu einem besonderen Ereignis. Das Hinspiel, das die Freiburger mit 2:1 gewannen, markierte den Beginn einer unglaublichen Erfolgsserie. Die Europa-League-Hymne ist mittlerweile Ohrwurm und die Vorfreude auf die Flutlichtspiele stieg von Spiel zu Spiel.

Der Sieg gegen Braga und der legendäre Platzsturm waren der absolute Höhepunkt. Petersen schilderte, wie er zunächst geschockt war, dann aber das Verhalten der Fans – „sympathisch und nett“ – als typisch Freiburger empfand. Ein Bild, das die besondere Atmosphäre im Schwarzwaldstadion perfekt widerspiegelt.

„Es ist noch nicht greifbar, dass meine Jungs dabei sind“, gesteht Petersen. Er versteht den Enthusiasmus der Fans und Spieler gleichermaßen, die bereits mit ihren Gedanken in Istanbul sind. Aber erst einmal steht noch ein wichtiges Bundesliga-Spiel gegen RB Leipzig an (Samstag, 15:30 Uhr). Nur ein Sieg würde die Teilnahme an europäischen Wettbewerben auch für die kommende Saison sichern.

Gegenüber Aston Villa, einem der ältesten und traditionsreichsten Clubs Englands, der punktgleich mit dem amtierenden Premier-League-Meister aus Liverpool dasteht, sieht Petersen den SC Freiburg in der Rolle des Underdogs. „Das liegt uns aber gut“, betont er. „Die Stimmung im Team ist hervorragend.“

Für das Finale am 20. Mai gibt der ehemalige Stürmer eine Prognose ab: „Ich tippe auf einen Sieg im Elfmeterschießen.“ Eine Vorhersage, die angesichts der bisherigen Entwicklung der Freiburger Saison nicht überrascht. Der Glaube an das Team ist groß, und das trotz der englischen Herausforderung. Freiburg hat bewiesen, dass man mit Leidenschaft, Teamgeist und einer gehörigen Portion Glück auch die größten Gegner überraschen kann. Die Reise nach Istanbul ist ein Beweis dafür, dass der „Freiburger Weg“ auch in Europa funktioniert – und wer weiß, vielleicht ist ja doch noch der große Coup möglich.