Euroleague-nacht: zalgiris stoppt real, fenerbahce zieht in die playoffs ein
Sieben Sekunden vor Schluss stand Sylvain Francisco an der Linie, das Kaunas-Carre rauschte, und Real Madrid spürte, wie eine Serie zerbarst. 87:85 für Zalgiris – die EuroLeague lieferte den nächsten Thriller, dem gleich drei weitere Dramen folgten.
Die zweite hälfte wurde zum gericht
Was in Athen, Istanbul und Vilnius geschah, war kein Zufall. Die Teams, die zur Pause noch trauerten, kehrten als Sieger zurück – und das mit der Coolness von Pokerspielern, die erst das River zeigen, nachdem sie den Gegner schon bluffen sahen. Panathinaikos lag gegen Roter Stern nach 30 Minuten noch mit 55:63 zurück, kassierte im vierten Viertel nur zwölf Punkte und gewann 82:74. Kendrick Nunn steuerte 13 seiner 19 Zähler in diesem Schlussspurt bei, die Athener Defensive schaltete um auf Vollgas, und plötzlich wirkte Belgrad wie ein Akku, der bei 15 % hängen bleibt.
Maccabi Tel Aviv wandelt seit Jahren in der Rolle des Comeback-Königs. Bei ASVEL stand es zur Pause 51:37 für die Franzosen, doch Roman Sorkin (23 Punkte) und Tamir Blatt (14 Punkte, 13 Assists) schraubten das Spiel Schritt für Schritt auseinander. Die 14-Punkte-Halbzeitpleite schmolz, Lyon verlor den Rhythmus, und als Glynn Watson mit einer Knöchelverletzung ausfiel, war die Partie gelaufen – 89:85 für Maccabi.

Fenerbahce dreht den spieß um und macht den achten heimsieg klar
In Istanbul lag Fenerbahce gegen Mailand zwischenzeitlich mit zehn Punkten zurück, ehe Talen Horton-Tucker den Turbo zog. 23 Punkte, ein 12:0-Lauf im dritten Viertel, und die Ulker Sports Arena bebte. Nando De Colo und Wade Baldwin fügten je 16 Punkte hinzu, Armani Brooks antwortete zwar mit 22 für Mailand, doch in den letzten fünf Minuten trafen die Gäste nur noch 2 ihrer 10 Würfe. Mit 79:75 bucht Fenerbahce nicht nur den achten Heimsieg in Serie, sondern auch das Ticket für die Playoffs.
Doch der Abend gehörte Kaunas. Zalgiris gegen Real Madrid war ein Schlagabtausch auf Augenhöhe: 17 Führungswechsel, 11-mal Gleichstand, und kein Team lag jemals mehr als acht Punkte vorne. Walter Tavares dominierte mit 12 Punkten und 10 Rebounds, doch seine Double-Double-Leistung rettete Real nicht. Mario Hezonja bekam den letzten Wurf, einen offenen Dreier von der Ecke, doch die Kugel rutschte links am Ring vorbei. Francisco hatte vorher zwei Freiwürfe verwandelt, 20 Punkte und fünf Assists stehen in seiner Statistik – und ein Ausrufezeichen im Playoff-Rennen.

Die tabelle lügt nie
Zalgiris springt auf 11 Siege und bleibt im Fight um die Top Acht, Real bleibt bei 18 Siegen, muss aber die erste Niederlage nach fünf Erfolgen verdauen. Panathinaikos und Maccabi nähern sich der 10er-Marke, Fenerbahce ist als erstes Team fix dabei – und die nächste Runde verspricht neue Dramen. Die EuroLeague ist keine Liga, sie ist ein Dauerbrenner, der erst aufhört, wenn der letzte Buzzer ertönt. In Kaunas war er sieben Sekunden vor dem Ende zu hören – und mit ihm das Aufjaulen der litauischen Fans, die wissen: In der zweiten Hälfte kann alles passieren, selbst ein Sieg gegen den König von Madrid.
