Koschinat zündet den turbo: rwe jagt den traum von liga zwei

Sechs Siege nacheinander, drei Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Osnabrück – und ein Trainer, der endlich wieder angreifen will. Uwe Koschinat hat Rot-Weiss Essen in nur 16 Monaten vom Abstiegskandidaten zum Aufstiegsrenner verwandelt.

Der rumpelstilzchen-coach und seine revanche

Als Koschinat am Dienstagabend nach dem 3:1 in Schweinfurt die Kabinentür aufstieß, war die Ankündigung klar: „Jetzt greifen wir richtig an!“ Kein Zufall, dass er ausgerechnet jetzt die Zurückhaltung ablegt. Vor sechs Spieltagen lag RWE noch acht Punkte hinter Osnabrück – dem Klub, der ihn 2024 nach nur einem Jahr wieder vor die Tür setzte. Die Tabelle von heute? Ein Drei-Punkte-Polster auf Rang drei, ein Duell mit dem alten Arbeitgeber steht bevor.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 18 Punkte aus den letzten sechs Partien, 14 Tore, nur drei Gegentore. Dazu eine Serie, die Fans an die großen Zeiten der 70er erinnert. Doch hinter den Kulissen arbeitet ein Coach, der seine Mannschaft nicht mit lauten Parolen, sondern mit Mikroanalysen formt. Jeder Gegner bekommt ein individuelles Pressingmuster, jede Standardsituation wird bis ins Detail durchdekliniert.

Vom rauswurf zum ruhrpott-held

Vom rauswurf zum ruhrpott-held

Koschinats Vita liest sich wie ein Roadmovie durch die deutsche Fußballlandschaft: 13 Stationen, kein Job hielt länger als 30 Monate. Sandhausen, Saarbrücken, Bielefeld, Osnabrück – überall blieb er die Hoffnungsträger-Figur, die am Ende doch scheiterte. In Essen aber fand er eine Stadt, die seine Impulsivität liebt. Wenn er am Spielfeldrand gegen Plastikstühle tritt, klatschen die Ränger. Wenn er nach Abpfiff sachlich analysiert, wissen die Verantwortlichen: Das ist kein Showman, das ist Arbeit.

Der 54-Jährige gibt sich selbst drei Jahre, um RWE in Liga zwei zu bringen. Laut internen Papieren soll der Kader nächste Saison auf 22 Profis reduziert werden, dafür mit zweistelligem Millionen-Etät. Sponsoren stehen bereits Schlange, weil sie wissen: Ein Aufstieg würde das Stadion an der Hafenstraße endlich wieder ausverkauft bekommen – 20.000 Zuschauer, Woche für Woche.

Samstag, 14 Uhr, kommt Ingolstadt. Die Schanzer haben seit fünf Spielen nicht gewonnen, kassierten in dieser Phase neun Gegentore. Für Koschinat ist es keine Falle, sondern eine Pflichtaufgabe. Er wird seine Spieler daran erinnern, dass sie im Hinspiel in Bayern erst in der 94. Minute den Siegtreffer erzielten. Dann wird er sie losschicken. Mit dem Angriff, den er angekündigt hat.

Die Rechnung ist simpel: Bei vier Siegen aus den letzten sechs Spielen dürfte selbst Osnabrück nicht mehr vorbeiziehen. Und dann? Dann steht Uwe Koschinat am 17. Mai im eigenen Stadion, schaut auf eine ausverkaufte Kulisse und weiß: Die Revanche ist perfekt. Nicht mit Worten, sondern mit Tabelle.