Koschinat schlägt zurück: rwe jagt den traum – und seinen ex-klub

Sechs Siege, drei Punkte Rückstand, ein Satz, der alles auf den Punkt bringt: „Jetzt greifen wir richtig an.“ Uwe Koschinat hat am Dienstagabend die Bremse gelöst. Nach dem 3:1 in Schweinfurt sprach der Trainer von Rot-Weiss Essen das aus, was rund ums Hafenstadion seit Wochen mit jedem Sieg lauter wurde: Der Aufstieg ist kein Wunschdenken mehr, er ist Plan.

Der hass-club aus osnabrück wartet vorne

Koschinat jagt nicht nur die Zweite Liga, er jagt auch persönliche Revanche. Tabellenführer VfL Osnabrück ist genau jener Klub, der ihn im Herbst 2024 nach 13 Spielen ohne Sieg vor die Tür setzte. Jetzt trennen nur noch drei Zähler die Rivalen. Das nächste Duell rückt näher – und mit ihm die Chance, dem ehemaligen Arbeitgeber die Meisterschaft zu entreißen.

Die Zahlen sprechen für den 54-Jährigen. Seit seinem Amtsantritt am 15. Dezember 2024 holte RWE 2,21 Punkte pro Spiel, kein Drittligist war in diesem Zeitraum effizienter. Die Defensive kassierte nur neun Gegentore in 17 Partien, die Offensive erzielte 36 Treffer. Koschinats Credo lautet „Risiko minimieren, Emotion maximieren“ – eine Mischung, die beim Traditionsklub endlich wieder ankommt.

Ingolstadt ist nur eine zwischenstation

Ingolstadt ist nur eine zwischenstation

Am Samstag kommt der FC Ingolstadt an die Hafenstraße. Für die Gäste geht es ums Playoff-Ticket, für Essen ums große Ganze. Koschinat warnte vor „Selbstzufriedenheit“, doch seine Stimme klang dabei wie die eines Pokalspielers, der schon das Finale im Kopf hat. Die Mannschaft spürt es. Kapitän Simon Engelmann erzählt, wie nach dem Schweinfurt-Spiel „keiner mehr rauswollte aus der Kabine, weil alle wussten: Das war nicht drei Punkte, das war ein Statement.“

Der Coach selbst brennt für den Moment, da endlich wieder eine Trainerkarriere nicht als Episode endet. Sein Weg führte von Koblenz über Köln, Sandhausen, Saarbrücken, Bielefeld, Osnabrück – immer mit dem Anspruch, nie mit dem Happyend. In Essen scheint die Chemie zu stimmen. Die Fans rufen seinen Namen, die Vereinsbosse verlängerten stillschweigend bis 2027, und die Mannschaft läuft seine Laufeinheiten mit einem Grinsen.

Die letzten sechs spiele sind sein lebenslauf

Die letzten sechs spiele sind sein lebenslauf

Koschinat weiß: Erfolg ist flüchtig, aber er kann ihn jetzt greifen. Sechs Finals warten, jedes mit Potenzial zur Legende. Er wird an der Seitenlinie wieder die Stimme verlieren, wieder gegen Stühle treten – und danach mit ruhiger Stimme analysieren, warum genau jetzt alles passt. Die Antwort liegt auf dem Platz, wo seine Spieler seit Monen ein einziges Wort leben: Zusammenhang.

2026 kann das Jahr von Rot-Weiss Essen werden. Und vielleicht auch das Jahr von Uwe Koschinat, der endlich nicht mehr nur die Geschichte schreibt, sondern selbst darin besteht.