Escribá verpasst das jahrhundert-festival: racing feiert aufstieg, valladolid-coach blinzelt verwirrt
Fran Escribá stand mitten im Hexenkessel von El Sardinero, Dochte in der Hand, und wusste nicht, dass er gerade Zeuge einer historischen Party wurde. Racing Santander schlägt Valladolid 4:1 – und der Trainer des Gegners kapiert nicht, dass die Cantabrier damit die Rückkehr in die Primera División perfekt gemacht haben.
Die szene, die binnen minuten viral ging
Abpfiff, Jubel wie 2003, Fans stürmen den Rasen, schwenken Fahnen, fallen sich um den Hals. Escribá tauscht noch schnell ein paar Handschläge mit seinem Assistenten, blickt sich um – und fragt einen Mitarbeiter: „Was ist denn los?“ Das Smartphone einer Ballfrau filmt den Moment. Das Video explodiert auf X, TikTok, Instagram. 2,3 Millionen Klicks in zwei Stunden. Die Kommentare spalten sich zwischen Mitleid und Häme: „Wie kann man so blind sein?“ vs. „Der Mann hat nur an seine Mannschaft gedacht, Respekt!“
Die Antwort liefert der 4:1-Endstand. Racing brauchte vor dem letzten Spieltag einen Punkt, kassierte stattdessen einen Klassiker. Die Mannschaft von Mehdi Nafti legte los wie die Feuerwehr: 2:0 nach neun Minuten, 3:0 nach 24. Marco Sangalli dirigierte das Orchester, Lago Junior schoss den vierten Treffer per Fallrückzieher – Traumtor der Saison, kurz nach der Pause. Valladolid war chancenlos, Escribá wechselte dreimal, aber nichts fruchtete. Die Gäste kassierten die höchste Pleite seit Dezember 2022.

Der trainer, der das erdbeben nicht spürte
Was genau in Escribás Kopf vorging, kann er selbst kaum erklären. „Ich habe nur mitbekommen, dass wir verloren haben“, sagte er nach der Partie. „Dann habe ich plötzlich gesehen, wie die Leute hereingestürmt kommen. Ich dachte, es gibt Ärger wegen Pyrotechnik.“ Stattdessen flog Konfetti, die Spieler von Racing tanzten auf dem Mittelkreis, der Präsident hielt eine improvisierte Rede. Erst als der Kollege von Radio Marca ihn aufklärte, riss Escribá die Augen auf. „Ah, die sind aufgestiegen? Okay, gratulation.“
Das Timing ist bitter für Valladolid. Die Castellaner rutschen auf Rang fünf ab, verlieren den direkten Aufstiegsplatz an Eibar. Noch zwei Spieltage, noch sechs Punkte – und ein Trainer, der sich jetzt erst mal erklären muss, wie man ein ganzes Stadion übersehen kann.
Racing feiert unterdessen den ersten Aufstieg seit 17 Jahren. Die Stadt Santander wird durchfeiert, bis die Polizei um 3:13 Uhr die Straßen räumt. Die Bilder von El Sardinero werden die Saison-Dokumentation schmücken. Und irgendwo in den Archiven bleibt ein kleines Video: Ein Trainer schaut verwirrt in die Kamera – das Symbol dafür, dass der Fußball manchmal schneller ist als die eigene Wahrnehmung.
