Enhanced games: doping-spektakel oder gefährliches spiel?
Las Vegas bebt – und zwar nicht nur wegen der Casinohallen. Ab Sonntag wagen die Enhanced Games einen kühnen Versuch: Sport ohne die üblichen Regeln, mit Doping als integralem Bestandteil. Hajo Seppelt, ARD-Dopingexperte, warnt vor den Risiken, während die Veranstalter mit Millionengagen und Weltrekord-Versprechen locken. Ein Wettkampf der Extreme, der die Sportwelt spaltet.
Ein format, das polarisiert: was sind die enhanced games?
Die Enhanced Games sind eine neue Veranstaltungsreihe, die im US-Bundesstaat Nevada Premiere feiert. Das Besondere: Athleten dürfen leistungssteigernde Substanzen einsetzen – unter medizinischer Aufsicht und im Rahmen einer Studie, so die Veranstalter. Insgesamt 42 Athleten aus verschiedenen Disziplinen wie Leichtathletik, Schwimmen und Gewichtheben sind gemeldet, darunter auch zwei deutsche Starter: Marius Kusch und Michael Bryan. Ursprünglich war ein deutlich größeres Feld geplant, doch die Akquise von Sportlern erwies sich als schwieriger als erwartet.

Millionengewinne und kontroverse investoren
Die Veranstalter locken mit beträchtlichen Preisgeldern, bis zu einer Million Dollar für Weltrekorde im 100-Meter-Sprint und den 50-Meter-Freistil. Doch nicht nur die finanziellen Anreize werfen Fragen auf. Zu den Investoren gehören Tech-Milliardäre wie Peter Thiel und Christian Angermayer sowie Donald Trump Jr., der Sohn des ehemaligen US-Präsidenten. Diese Beteiligung unterstreicht die Brisanz des Formats und wirft ein Schlaglicht auf die kommerziellen Interessen hinter den Enhanced Games.

Wada und dosb warnen: „gefährlich und unverantwortlich“
Die Sportwelt reagiert gespalten. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) bezeichnet die Enhanced Games als „gefährlich und unverantwortlich“, während der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) betont, dass das Format dem entgegenwirkt, wofür sich der Sport in Deutschland und weltweit einsetzt: fairen und sauberen Wettkämpfen. Die Veranstalter hatten im vergangenen Jahr sogar eine Kartellklage gegen WADA und die Schwimmverbände eingereicht, die jedoch vom Bundesgericht abgewiesen wurde. Die Debatte um die ethischen und gesundheitlichen Aspekte der Enhanced Games ist damit noch lange nicht abgeschlossen.
Ein besonders brisanter Punkt ist der Verkauf von Dopingsubstanzen im eigenen Online-Shop der Veranstalter. Wachstumshormone und Steroide werden offen angeboten, was die Grenzen des legalen und ethisch Vertretbaren auslotet. Die Enhanced Games sind somit mehr als nur ein Sportevent – sie sind ein Experiment, das die Zukunft des Sports in Frage stellt.

Seppelts klare ansage: „ein wettkampf der risiken“
ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt sieht in den Enhanced Games ein gefährliches Spiel mit der Gesundheit der Athleten. In einem Interview betonte er, dass die systematische Anwendung von leistungssteigernden Substanzen langfristige Folgen haben könne, die heute noch nicht absehbar seien. „Es ist ein Wettkampf der Risiken, bei dem die Athleten zu Versuchskaninchen degradiert werden“, so Seppelt.
