Enhanced games: doping wird zur spektakel-show
Las Vegas bebt – und die Sportwelt staunt. Die Enhanced Games, ein Wettkampf, bei dem Doping nicht nur toleriert, sondern aktiv gefördert wird, haben am Wochenende ihre Pforten geöffnet. Ein kühner Schachzug, der die Grenzen des Erlaubten verschiebt und eine hitzige Debatte auslöst: Ist dies die Zukunft des Sports oder ein ethischer Ruin?
Der mann hinter der kontroverse: aron d’souza
Die Idee zu diesem umstrittenen Event stammt von Aron D’Souza, einem australischen Juristen, der das etablierte Anti-Doping-System als Scheinheiligkeit entlarvt. Seine These: 99 Prozent der Athleten würden ohnehin zu verbotenen Substanzen greifen. D’Souza formuliert sein Ziel unmissverständlich: Er will eine „neue Supermenschheit“ erschaffen. Ein ambitioniertes Projekt, das er mit dem ehemaligen Investmentbanker Maximilian Martin gemeinsam vorantreibt.
Martin, der in Deutschland und den USA studiert hat, investierte eigenes Kapital in das Projekt und beschreibt die Enhanced Games als „die aufregendste Firma, die ich je gesehen habe.“ Das Geschäftsmodell geht dabei weit über reine Wettkämpfe hinaus: Die Entwicklung und der Verkauf von Medikamenten gehören zum Konzept – ein Aspekt, der die Kritik an den Enhanced Games weiter anheizt.

Was ist erlaubt? eine erschreckende liste
Die Veranstalter scheuen sich nicht, offen über die Substanzen zu sprechen, die den Athleten zur Verfügung gestellt werden: Testosteron-Präparate, anabole Steroide, Erythropoetin, Meldonium, Adderall und Modafinil – alles unter medizinischer Aufsicht des Sheikh Shakhbout Medical Center in Abu Dhabi. Ein Umstand, der die Bedenken hinsichtlich der Gesundheit der Athleten und der potenziellen Vorbildfunktion für junge Menschen verstärkt.

Millionen-prämie und deutsche starter
Drei Disziplinen stehen auf dem Programm: Schwimmen, Leichtathletik und Gewichtheben, letzteres mit einer zusätzlichen Strongman-Kategorie. Der Gesamtpreispool beträgt satte 25 Millionen US-Dollar, wobei der Sieger eines Events 250.000 Dollar erhält. Wer unter den offiziellen Weltrekorden bleibt, bekommt zusätzlich eine Million Dollar. Deutschland wird von dem Sprinter Michael Bryan vertreten, der offen zugibt, dass ihm die finanziellen Anreize ein entscheidender Faktor waren. Auch der ehemalige Europameister im Schwimmen, Marius Kusch, mischt mit.

Verbands-empörung und die antwort der veranstalter
Die World Anti-Doping Agency (WADA) hat die Enhanced Games scharf verurteilt und warnt vor einer gefährlichen Nachahmung durch junge Athleten. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) distanziert sich deutlich und betont, dass Teilnehmer sich damit außerhalb der Sportgemeinschaft positionieren. Doch D’Souza kontert: Jugendliche informieren sich ohnehin über leistungssteigernde Substanzen im Internet. Eine offene Debatte sei daher der bessere Schutz. Er sieht in den Enhanced Games zudem eine Chance, die Vorteile der Longevity-Medizin zugänglich zu machen.
Die Enhanced Games sind mehr als nur ein Wettkampf. Sie sind ein Spiegelbild der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports und der Frage, wie weit wir gehen dürfen, um Leistung zu maximieren. Ein Experiment, das die Sportwelt spalten und vielleicht sogar neu definieren könnte.
