Enderleit fällt gegen kiel aus – melsungen droht neuer ausnahmezustand

Nikolaj Enderleit wird am Freitag nicht jubeln. Der Däne, drittbester Torschütze der MT Melsungen, bleibt wegen einer Schambeinentzündung im Bett statt auf der Platte. Gegner: THW Kiel. Ort: Rothenbach-Halle. Zeitpunkt: 27. März, 19 Uhr. Die Nordhessen verlieren damit ihren wichtigsten Rechtsaußen – und wohl zwei Punkte.

Die diagnose: pubis-syndrom, schmerzen so stark wie ein kreuzbandriss

Dr. Florian Sölter spricht von „starken, anhaltenden Schmerzen im gesamten Beckenbereich“. Die Entzündung des Schambeins reagiert nicht auf Kortison, nicht auf Physiotherapie, nicht auf Schonung. Enderleit konnte die letzten Trainingseinheiten nur mit Stock und Schmerztabletten absolvieren. Am Montag beginnt eine stationäre Reha-Kur in einer Spezialklinik nahe Lemgo. Dauer: offen. „Wochen, vielleicht Monate“, sagt Sölter.

Die Zahlen sind gnadenlos. Ohne Enderleit schoss Melsungen in den letzten drei Spielen nur 24,7 Tore pro Partie – 8,3 weniger als mit ihm. Die Quote aus dem Rückraum brach um 14 Prozent ein. Gegen den Rekordmeister fehlt nun genau jener Spieler, der in der Hinrunde sieben Treffer gegen den THW erzielt hatte.

Der domino-effekt: balenciaga zurück, enderleit weg – die verletzte-haie schwimmen wieder

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Kurz vor dem Endspurt der Saison droht der MT das gleiche Schauspiel wie im Vorjahr. Eric Balenciaga kehrt nach 219 Tagen Pause zurück, doch schon steht der nächste Leistungsträger auf der Liste. Trainer Heiko Grimm muss nun mit Alibek Käsler und dem 19-jährigen Nachwuchsmann Finn Kretzschmar improvisieren. Käsler liefert in der Defensive, aber nur 3,1 Tore im Schnitt. Kretzschmar ist talentiert, aber noch ungestüm – drei Ausschlüsse in seinen letzten 67 Minuten.

Die Fans reagieren mit gemischten Gefühlen. Auf Instagram häufen sich Kommentare wie „Kann uns mal bitte jemand verfluchen, damit das Pech endet?“ und „Ohne Niko wird’s eng gegen die Zebras“. Die Stimmung kippt, die Tabellenlage auch: Bei einer Niederlage rutscht Melsungen auf Platz zehn ab – und damit erstmals seit 2019 unter die Play-off-Ränge.

Die lösung: mehr laufleistung, mehr risiko, mehr verzweiflung

Die lösung: mehr laufleistung, mehr risiko, mehr verzweiflung

Grimm plant, die Mittelblock-Deckung zu öffnen und Käsler als zusätzlichen Kreisläufer laufen zu lassen. Das Risiko: Die Abwehr verliert an Stabilität, Kiel kann sich über schnelle Gegenstöße frequen. Die Alternative: 60 Minuten Kreisläufer-Pressing, um den Ballbesitz zu verlängern und Tempo zu rauben. Beide Szenarien enden wahrscheinlich mit 30-plus Gegentoren. Die Wahrscheinlichkeit auf einen Punktgewinn: laut interner Datenanalyse 23 Prozent – mit Enderleit waren es 47.

Am Ende bleibt eine einfache Erkenntnis: Verletzungspech ist kein Schicksal, sondern ein Faktor, der trainierbar ist. Doch solange die medizinische Abteilung auf Biegen und Brechen Personalplanungen rettet, bleibt die MT ein Sprinter mit offenen Schuhen. Gegen Kiel wird sie nun barfuß laufen müssen – und hoffen, dass die Zebras ebenfalls einen Bandagenschreck erleben.