Endemann knallt zurück: comeback mit tor nach 365 tagen ohne nationalteam

Ein Aufschrei der Erleichterung ging durch das Rudolf-Harbig-Stadion, als Vivien Endemann in der 6. Minute eiskalt einschob. 365 Tage hatte die Angreiferin des VfL Wolfsburg auf diesen Moment gewartet – und dann brauchte sie nur 360 Sekunden, um zu beweisen, warum Christian Wück sie sofort wieder in die Startelf stellte.

Endemann liefert antwort auf dem platz

Die 24-Jährige war nicht einfach nur dabei, sie bestimmte die ersten Minuten gegen Slowenien mit Tempo und Abschluss. Nach einem Steilpass von Linda Dallmann netzte sie zur 1:0-Führung ein. „Es hat richtig gezischt“, sagte sie später, „so ein Gefühl kann dir kein Training der Welt geben.“

Doch der Jubel war nur die halbe Miete. Zwischen der 12. und 70. Minute verlor die DFB-Auswahl den Faden, ließ Chancen liegen, spielte zu hektisch. Endemann war selbstkritisch: „Wir haben den Ball teilweise wie ein heißes Kartoffelgeschirr durch die Gegnerische Hälfte geschoben. Ich hätte mit meinem zweiten Treffer nachlegen müssen.“ Stattdessen bereitete sie das 2:0 durch Elisa Senß und das 5:0 durch Lea Schüller vor – zwei Assists, die ihre cleare Kopfhaltung unterstrichen.

Norwegen wartet als nächste stufe

Norwegen wartet als nächste stufe

Am Samstag geht’s nach Stavanger. Gegen die Norwegerinnen, die mit Caroline Graham Hansen und Guro Reiten zwei Weltklasse-Individuen besitzen, wird die Abstimmung in der Kette auf härtere Probe gestellt. „Dort erwartet uns ein anderes Spiel“, warnt Linda Dallmann. Endemann nickt: „Wir können nicht erwarten, dass sie uns so viel Raum schenken wie Slowenien. Aber genau das macht Länderspiele aus – jeder Gegner schärft deine Klinge neu.“

Für Endemann ist der Einstieg in die WM-Quali mehr als ein persönliches Happy-End. Ihre Geschichte ist ein Lehrstück über Geduld. Knie- und Muskelprobleme hatten sie aus der Nationalmannschaft gedrängt, zwei Kreuzbandrisiken im Umfeld der Mannschaft machten die Tür noch schwerer aufstoßbar. „Ich habe nie die Reißleine gezogen, aber ich musste lernen, dass Comebacks nicht linear verlaufen“, sagte sie im DFB-Interview. Die Belohnung: ein Tor, zwei Vorlagen – und ein Startplatz, den sie sich nicht erbettelt, sondern erkämpft hat.

Die Zahlen sprechen ohnehin für sich: 5:0-Tordifferenz, 63 Prozent Ballbesitz, 26 Torschüsse. Doch die Statistik, die Wück am meisten freut, ist jenseits der Tabelle: „Wir haben Tore erzielt, bevor der Gegner Selbstvertrauen tanken konnte.“ Genau das wird in Norwegen gefragt sein, wo die Deutschen seit 2018 nicht mehr gewannen. Endemann wird wieder von Beginn an auflaufen – und wenn sie erneut trifft, winkt nicht nur der zweite Sieg, sondern auch die endgültige Rückkehr in die Spitzengruppe des europäischen Frauenfußballs.