Emma aicher jagt shiffrin im wm-finale: 140 punkte, vier rennen, ein traum
140 Punkte Rückstand, vier Rennen, ein Tag bis zur Abfahrt – Emma Aicher hat in Kvitfjell nur noch eine Chance: gewinnen, gewinnen, gewinnen. Die 22-Jährige weiß, dass Mikaela Shiffrin auch nur einmal stolpern muss, damit der Gesamtweltcup zu kippen droht.
Shiffrins größte schwäche ist das tempo
Aicher ordnet selbst ein: „Es ist sehr, sehr schwer.“ Aber sie lacht dabei, weil sie die Statistik kennt. Shiffrin fliegt zwar durch Slaloms wie ein Zug durch den Nachtfrost, doch in der Abfahrt zittert ihre Kante. Genau dort startet Aicher heute um 11.30 Uhr im ORF-Livestream.
Die Rechnung ist simpel: Sollte Aicher alle vier verbleibenden Läufe gewinnen, würde sie 400 Punkte einstreichen. Shiffrin muss dann maximal zweimal ins Ziel kommen, um die Kristallkugel zu retten. Die Amerikanerin wird vermutlich auf das letzte Rennen verzichten – ein Freistil-Bewerb, den sie nie liebte.

Nur drei deutsche haben das kunststück je geschafft
Maria Höfl-Riesch schaffte es 2011, Katja Seizinger 1996, Rosi Mittermaier sogar 1976. Seitdem wartet Deutschland auf die nächste Gesamtsiegerin. Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg glaubt, dass genau dieser Druck Aicher entlastet: „Sie kann nur gewinnen, nichts verlieren. Das spielt ihr in die Karten.“
Die Zahl vier steht dabei für mehr als Statistik. Vierte deutsche Gesamtsiegerin, viertes Rennen für Aicher, vierte Note im Skigeschichtsbuch. Wenn sie tatsächlich durchstartet, würde sie Shiffrin in die Geschichtsbücher der Verliererinnen drängen – ein Szenario, das vor zwei Wochen noch undenkbar schien.
Die Abfahrt beginnt um 11.30 Uhr im Free-TV, der Live-Ticker tickt bereits. Die Piste in Kvitfjell ist hart, die Temperaturen sinken auf minus 18 Grad. Perfekte Bedingungen für eine Kämpferin, die noch nie um eine Medaille gezittert hat, aber heute um eine Saison.
Am Ende bleibt ein Satz, den Aicher im ORF-Interview fallen ließ: „Ich werde mich einfach auf mich konzentrieren, dann sieht man, was herauskommt.“ Klingt nach PR – ist aber genau die Mentalität, die Kristallkugeln trägt.
