Emma aicher jagt shiffrin: 219 punkte rückstand, kristallkugel in reichweite
Die 22-jährige Emma Aicher hat Mikaela Shiffrin erstmals in deren Karriere gezwungen, gegen ihren Willen auf Super-G-Skier zu steigen. Mit nur 219 Punkten Rückstand im Gesamtweltcup und neun Rennen vor Saisonende rückt für die DSV-Supernova die historische Mission „Große Kristallkugel“ in greifbare Nähe.
Rebensburg sieht shiffrin „im nacken“
„Mikaela spürt Emmas Atem zwischen den Schulterblättern“, sagt Viktoria Rebensburg im Eurosport-Interview. Die 2010er Olympia-Siegerin lobt die „unbekümmerte Allrad-Mentalität“ der Baden-Württembergerin, die in 27 von 28 Saisonrennen an den Start ging – ein Pensum, das selbst Eichhörnchen neidisch machen würde. „Wer soll sie jetzt noch schlagen? Die Frage ist berechtigt.“
Im Super-G von Soldeu setzte Aicher den dritten Saisonsieg und den zweiten Platz hintereinander. Die Konsequenz: Shiffrin kehrte nach zwei Jahren Pause in die Speed-Disziplin zurück, stürzte in St. Moritz – und verbannte die langen Bretter wieder in den Ski-Bag. Jetzt muss sie zurück. Val di Fassa (6.-8. März) wird zur Zitterpartie für die dreimalige Olympiasiegerin.

Deutsche abfahrts-kugel zum greifen nah
400 Punkte trennen Aicher von Lindsey Vonn in der Abfahrtswertung, drei Rennen bleiben. Springt sie in den Dolomiten zweimal aufs Podest, kann sie sogar vorbeiziehen – und würde nach Maria Höfl-Riesch (2014) erstmals wieder eine Deutsche die kleine Kristallkugel in der Abfahrt holen. „Wenn sie diesen Flow hält, macht sie das“, prophezeit Rebensburg.
Die Wetter-Farce des Frühlings spielt Aicher in die Karten. Warme Temperaturen, weiche Pisten, zäher Schmelzschnee – genau das ließ sie in Soldeu schon aussurfen. „Emma rennt nicht nur über Eis, sie liest das Gelände wie ein GPS“, schwärmt Rebensburg. Die Konkurrentinnen kalkulieren, Aicher reagiert. Das ist der Unterschied.

Shiffrins albtraum heißt selbst-doubt
Die US-Ikone gewann bisher sechs große Kugeln, stets aus dem Slalom-Riesenslalom-Komfort. Nun droht ihr erstmals die Machtübernahme durch eine Athletin, die in allen Disziplinen punktet. „Mikaela muss raus aus der Komfortzone, sonst klappt es nicht“, so Rebensburg. Die Psychologie ist klar: Aicher spielt Verfolger, Shiffrin muss defendieren – und das liegt ihr seit Jahren nicht.
Die Zahlen sprechen Bände: Aicher holte in dieser Saison Podestplätze in Abfahrt, Super-G, Slalom – Shiffrin nur in ihren beiden Lieblingsdisziplinen. Die Restlaufzeit ist ein offener Krieg, kein Lap-of-Honour mehr.
Saisonfinale wird zur geduldsprobe
Nach dem Doppelschlag in Val di Fassa geht es nach Are (14./15. März) und ins finale Kvitfjell (21.-25. März). Neun Starts, neun Mal Risiko, neun Mal Chance. „Am Ende fehlt oft die Spritzigkeit“, warnt Rebensburg. „Aber Emma glaubt an sich, das hat sie in Cortina bewiesen.“ Dort holte sie Silber in Abfahrt und Team-Event – Medaillen, die Selbstvertrauen vergolden.
Shiffrin muss folglich nicht nur punkten, sondern gewinnen, um den Vorsprung zu halten. Ein Druck, den Aicher nicht kennt – ihre Bestmarke im Gesamtweltcup war Rang fünf. Jetzt fährt sie mit Hausgeld: alles zu gewinnen, nichts zu verlieren.
Rebensburgs Fazit klingt wie ein Kommando: „Wenn Mikaela nicht in Val di Fassa und Kvitfjell startet, wird Emma Geschichte schreiben. Und selbst wenn – die nächste Saison gehört ihr.“ Die Kristallkugel könnte also schon in zwei Wochen wechseln, der Machtwechsel im Weltcup ist längst beschlossene Sache.
