Em-halbfinale 2008: als béla réthy die stille durchbrach
Basel, 25. Juni 2008 – Ein Tag, der in die Annalen des deutschen Fußballs eingehen sollte, nicht nur wegen des dramatischen 3:2-Siegs gegen die Türkei, sondern auch wegen eines unerwarteten Funkelns im deutschen Fernsehen: Béla Réthy, die Kommentatorenlegende, wurde zum unfreiwilligen Star.
Ein stromausfall, der die nation bewegte
Was als sportlicher Triumph begann, entwickelte sich innerhalb weniger Minuten zu einem medialen Spektakel. Während Deutschland den Einzug ins EM-Finale festmachte, geriet die Übertragung ins Stocken. Ein Stromausfall in Wien, dem zentralen Knotenpunkt der UEFA-Bildübertragung, legte die Bildschirme in ganz Europa still. Und plötzlich hörten Millionen nur noch Béla Réthys Stimme, die verzweifelt versuchte, die Situation zu erklären und zu kommentieren.
„Ich merkte, dass an unserem Tisch plötzlich Unruhe bei meinem Redakteur Martin Schneider aufkam. Das war sehr ungewöhnlich für ihn“, erinnert sich Réthy heute. „Es war klar, dass irgendetwas nicht stimmte.“ Die Momente der Stille wurden nur von Réthys professionellem Versuch durchbrochen, die Zuschauer zu unterhalten und zu informieren, während das Bild ausfiel. Er improvisierte, wurde zum Radioreporter in einer Fernsehlandschaft, und das mit dem Charme, der ihn so einzigartig macht.

Von sprechpausen und verorteten szenen
Die technische Panne offenbarte auch Réthys menschliche Seite. Er gestand, dass ihm der fehlende visuelle Kontext schwerfiel. „Ich habe zwar erzählt, was auf dem Platz passiert, aber habe völlig vergessen zu erklären, wo genau. Ich habe die Szenen nicht verortet.“ Ein Patzer, der in der Radioübertragung besonders ins Gewicht fiel, denn „im Radio, oder in meinem Fall im Fernsehen, wenn das Bild streikt, natürlich ein grober Patzer“, so Réthy selbst.
Doch Réthy ließ sich nicht entmutigen. Er nutzte die Gelegenheit, um den Zuschauern Einblicke in das Geschehen zu geben, wie er es verstand. Und währenddessen bereitete sich ein ZDF-Techniker fieberhaft darauf vor, das Signal wiederherzustellen, unterstützt vom Schweizer Fernsehen.

Ein unvergesslicher moment der fußballgeschichte
Als Philipp Lahms Flanke zum 2:1-Kopfballtor von Miroslav Klose durch die Luft segelte, verkündete Réthy den Treffer bereits, bevor der Ball überhaupt das Netz fand – ein Moment, der in die Geschichte der Fußballberichterstattung einging. „Mit Hellseherei hatte das aber nichts zu tun. Sondern mit Technik“, scherzte Réthy später.
Nach dem Spiel, während die deutsche Mannschaft den Sieg feierte, genoss Réthy ein ruhiges Bier im Garten. „Die Sache damit abgehakt“, wie er es selbst beschreibt. Doch am nächsten Morgen stand RTL Aktuell vor seiner Tür, und Spiegel Online wollte ein Interview führen. Der Stromausfall hatte Béla Réthy zu einer unerwarteten Berühmtheit gemacht und bewies, dass selbst in den chaotischsten Situationen Professionalität und Humor triumphieren können. Und wer hätte gedacht, dass ein Stromausfall während eines EM-Halbfinales zu einem der unvergesslichsten Momente der Fußballgeschichte wird?
