Embacher räumt im vikersund-flug ab, wellinger und geiger retten dsv-ehre

Stephan Embacher hat die Skiflug-Arena Vikersund in seinen Bann gezogen. Der Österreicher segelte bei seiner Premiere 232 Meter weit, schraubte sich auf 459,1 Punkte und ließ selbst den formstarken Japaner Tomofumi Naito zwei Bänke stehen. Für Deutschland kam Rettung aus zweiter Reihe: Andreas Wellinger und Karl Geiger schoben sich mit Sprüngen von 227 bzw. 222 Metern auf Platz sieben und neun – das beste Saisonergebnis für beide.

Die deutschen spätstarter landen vor raimund

Wellingers 227-Meter-Flug im ersten Durchgang war ein Statement. Er hätte noch zulegen können, verzichtete aus Sicht auf Risiko. „Die Saison ist holprig, aber mir macht das Fliegen einfach immer Spaß“, sagte er im ZDF. Geiger, einst Skiflug-Weltmeister, bestätigte mit Rang neun seine leise Aufwärtstrend. Olympiasieger Philipp Raimund blieb indes mit 225,5 m im besten Fall auf Platz 18 stehen – ein Ergebnis, das Bundestrainer Stefan Horngacher mit dem Satz „es fehlt nicht viel“ herunterspielte.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 26. Platz für Pius Paschke, 31. für Luca Roth, Ausfall für Ben Bayer. Das Gesamtresultat der deutschen Mannschaft liest sich wie ein Weckruf zwei Wochen vor der Skiflug-WM in Oberstdorf.

Der tag, an dem embacher den vogel abschoss

Der tag, an dem embacher den vogel abschoss

Der 23-jährige Tiroler war im Training schon auf 238 Meter gestürzt, blieb im Finale aber sauber. Mit 232 m und 225 m flog er so konstant, dass selbst Johann Andre Forfang und Domen Prevc die Segel streichen mussten. Prevc, am Vortag noch Weltrekord-Anwärter, schlitterte hinter Naito und Forfang auf Platz fünf. Die Slowenen verpassten damit die Chance, die Gesamtweltcup-Führung auszubauen.

Vikersund selbst lieferte wie immer Spektakel: Windböen mit 15 km/h Schub und Temperaturen knapp über Null erfordern Mut, nicht nur Rechenkünste. Wer hier fliegt, muss sich auf Thermik und Hangabwind verlassen – ein Kalkül, das Embacher perfekt beherrschte.

Die Schanze bleibt ein Schaukasten, aber auch ein Mahnmal: Nur acht deutsche Springer qualifizierten sich für den zweiten Durchgang. Das war vor zehn Jahren undenkbar. Wellinger und Geiger retteten das Gesicht des DSV, doch dahinter klafft eine Lücke, die bis zur WM nicht zu kitten ist.