Ella seidel stolpert in bogotá – deutscher tennis-traum platzt schon wieder
Die Niederlage kommt ohne Warnung, dafür umso härter. Ella Seidel, Hamburgs Hoffnungsträgerin und Fünfte der Setzliste, verlässt das WTA-Turnier in Bogotá nach 68 Minuten mit hängenden Schultern: 2:6, 2:6 gegen Anastassija Sacharowa, eine Lettin, die in der Weltrangliste 30 Plätze hinter ihr steht.
Der frühe abflug hat system
Schon in Miami war die 21-Jährige im Auftaktmatch gescheitert – nun das Déjà-vu auf 2.600 Metern Höhe. Die Höhe von Bogotá sollte eigentlich Seidels kraftvollem Topspin-Spiel entgegenkommen, doch die Bälle landeten im Netz oder gleich im Aus. 14 unerzwungene Fehler in Satz eins, 11 Doppelfehler insgesamt; Zahlen, die keinen Zweifel lassen: Der Kopf war schon im Flieger Richtung Europa.
Trainer Stephan Kuhlmans Blick spricht Bände. Er stemmt die Hände in die Hüften, während Sacharowa mit einem kurzen Nicken den Dank abliefert – mehr war da nicht zu holen. Seidel zerdeppert ihre Rackettasche, schlüpft in die Kapuzenjacke und verschwindet ohne Pressestatement. Kein Wort zur dritten Erstrunden-Pleite in Folge.

Tatjana maria hält die fahne allein hoch
Die letzte Deutsche, die noch in Südamerika durchhält, heißt jetzt Tatjana Maria. Die 37-jährige Mutter zweier Kinder schlägt in Bogotá Valentina Mediorreal Arias mit 6:2, 6:1 – und lacht im Anschluss, weil ihre Tochter Charlotte im Publikum „¡Vamos, mami!“ gerufen hat. Während Seidel mit jedem Fehlversuch an Selbstvertrauen verliert, tankt Maria Selbstbewusstsein aus der Erfahrung von 183 Grand-Slam-Matches.
Der Kontrast könnte nicht größer sein: Ein Teenager-Traum, der momentan nicht reift, und eine Altmeisterin, die jeden Ball zurückgibt – auch die Frage nach der Zukunft des deutschen Damen-Tennis. Denn wenn die angehende Spitze schon in der ersten Runde knickt, bleibt nur der Blick zurück auf jene, die schon alles gesehen haben.
Für Seidel geht es nun nach Stuttgart, wo sie eine Wildcard für das 500er-Event erhält. Drei Wochen Zeit, um das Selbstbild zu reparieren. Die Uhr tickt – und die Konkurrenz wartet nicht auf Hamburgs Talent.
