Eklic rettet oranienburger hc: vom abstiegskandidaten zum siegerteam

Seit Damir Eklic Anfang Februar das Ruder beim Oranienburger HC übernahm, ist die Welt des abstiegsbedrohten Nordclubs auf den Kopf gestellt. Ein 24:20 in Hildesheim katapultierte den Tabellenletzten zurück in den Klassenkampf – und bescherte Eklic den ersten Beweis, dass seine rasante Rettungsmission kein Hirngespinst ist.

„Wenn mir das nicht gefiele, wäre ich längst nach hause“

Der 50-jährige Kroate blieb direkt nach Vertragsunterzeichnung in Brandenburg, statt zwischenzeitlich in seine Heimat zurückzufliegen. Schnee, Eis, eisiger Wind – ein Schock für den Mittelmeer-Mensch. „Sobald das Eis schmolz, war alles gut“, lacht er. Die Familie fehlt, WhatsApp-Calls jeden Abend machen es erträglich. „Ich war ein paar Tage in Split, aber mein Kopf blieb hier.“

Eklics erster Befund: „Die Jungs glaubten nicht mehr an sich.“ Also setzte er alles auf emotionale Katalyse. Keine Testspielphase, keine Vorbereitung – nur Videoanalysen und viele ehrliche Gespräche. Ergebnis: fünf Punkte aus vier Partien, ein 5:9-Punkte-Schnitt, der die Abstiegsmauer plötzlich luftig wirken lässt.

Deutschland lernt englisch, eklic lernt deutsch

Deutschland lernt englisch, eklic lernt deutsch

Die Mannschaft ist jung, streamt Serien auf OmU, schreibt TikToks – Englisch ist im Kader Alltag. Dennoch: „Ich muss Deutsch lernen, sonst verliere ich außerhalb der Halle Anschluss“, gibt Eklic zu. In der Kabine reduzieren Handsignale und ein paar deutsche Stichworte die Latenz. „Verständigung funktioniert, aber ich will mehr.“

Sein Credo: „Wer trainiert, wer kämpft, bekommt Minuten. Fehler? Erlaubt. Fehlende Einstellung? Nicht mit mir.“ Zweitliga-Reservisten und A-Jugendliche wurden integriert, weil Eklic den langfristigen Kreislauf im Verein erkennen will. „Trainer, die nur ihre Insel bewachen, versenken den Club.“

Fans als zwölfter feldspieler

Fans als zwölfter feldspieler

Die Oranienburger Tribüne ist klein, aber laut. Eklic nennt sie „unseren Turbo“. In Hildesheim sang die Truppe im Bus nach dem Schlusspfiff – Szeneeindruck, den er nicht mehr von seinem TV-Know-how her kannte. „Wenn es eng wird, braucht die Mannschaft Menschen, die für sie schreien. Bayern gewinnt auch ohne Fans, wir nicht.“

Die Spielweise? Flexibel wie ein Yogalehrer. „Alle fünf Minuten wechseln wir Systeme, je nach Gegnerreaktion“, verrät er. Das 24:20 war keine Glanznummer, sondern ein Lehrstück in Nervenkontrolle. „Die Jungs haben das gemacht, ich habe nur die Emotionen runtergefahren.“

Klassenerhalt „wirklich realistisch“

Klassenerhalt „wirklich realistisch“

Eklic schwört nicht, er rechnet. „Was ich jeden Tag auf der Anlage sehe, erlaubt Optimismus.“ Die Tabelle lügt nicht, aber sie verrät auch nichts über Dynamik. Drei Nachholspiele stehen an, Punktabstand zur rettenden Zone: zwei Zähler. „Wir gehen Schritt für Schritt, aber das Ziel ist klar: Liga erhalten, dann nächste Saison planen.“

Der Kroate gibt sich keinen Illusionen hin, er produziert Fakten. Wenn seine Truppe weiter so trainiert, wird der Oranienburger HC nicht nur den Klassenerhalt schaffen – er könnte zum Vorreiter eines neuen Selbstverständnisses in Deutschlands dritter Spielklasse werden.