Eisschnelllauf-streit: aktive unterzeichnen – aber mit vorbehalt!

Ein Tag nach Ablauf der Frist hat sich der lange anhaltende Konflikt um die neue Athletenvereinbarung im deutschen Eisschnelllauf und Shorttrack (DESG) zumindest oberflächlich gelöst: Alle 79 Kadersportlerinnen und Kadersportler haben das Dokument unterzeichnet. Doch die Freude ist getrübt – die Unterschriften sind an erhebliche Bedingungen geknüpft, die den Verband vor eine Zäsur stellen.

Erfurt im fokus: ein side letter entscheidet

Erfurt im fokus: ein side letter entscheidet

Im Zentrum des Streits steht weiterhin der Trainingsstützpunkt Erfurt. Die Athleten, die dort ihr Training absolvierten, bestehen darauf, auch zukünftig dort verbleiben zu dürfen. Diese Forderung ist in einem sogenannten „Side Letter“ formuliert, der den Thüringer Eis- und Rollsportverband (TERV) dem SID vorlegte. Die DESG bestätigte die Existenz des Dokuments, ging aber nicht auf dessen Inhalt ein. Ein klarer Beleg dafür, dass die Verhandlungen noch lange nicht abgeschlossen sind.

Der Side Letter regelt nicht nur den Verbleib in Erfurt, sondern auch die Übernahme der Reisekosten für zentrale Lehrgänge durch die DESG. Ohne die Unterzeichnung dieser Zusatzvereinbarung durch den Verband wäre die gesamte Athletenvereinbarung ungültig – ein Punkt, der die Dringlichkeit der Lage unterstreicht. Hendrik Dombek, deutscher Spitzen-Eisschnellläufer und Präsidiumsmitglied von Athleten Deutschland, betonte die immense Erfolgsdruck, dem die Aktiven in den letzten Wochen ausgesetzt waren. Er sprach von einer faktischen Unmöglichkeit, eine freie Entscheidung treffen zu können.

Doch die Geschichte ist komplexer. Der TERV hatte die Kaderathleten bis zuletzt dazu geraten, die Vereinbarung in der vom DESG-Präsidium vorgelegten Fassung nicht zu unterschreiben. Die Führung des Thüringer Verbandes kritisierte das Vorgehen der DESG öffentlich und forderte sogar den Rücktritt des Präsidiums um Matthias Große. Eine Eskalation, die die Spaltung innerhalb des deutschen Eisschnelllaufs deutlich macht.

Die DESG selbst gab an, die „weitergehenden Hinweise, Erwartungen und Forderungen“ des Side Letters zur Kenntnis genommen zu haben und werde sich „zeitnah und sorgfältig“ mit den darin angesprochenen Punkten beschäftigen. Ein zögerliches Statement, das die Unsicherheit des Verbandes widerspiegelt.

Die nun erfolgte Unterzeichnung der Athletenvereinbarung ist also kein endgültiger Abschluss, sondern eher ein fragiler Kompromiss. Die DESG steht nun vor der Herausforderung, die Bedingungen des Side Letters zu erfüllen und die internen Konflikte zu lösen, um den deutschen Eisschnelllauf vor einem weiteren Vertrauensverlust zu bewahren. Die nächsten Wochen werden entscheidend sein, ob der Sport in Thüringen seine Heimat behält oder ob die Athleten gezwungen sind, ihre Trainingsstätte zu verlassen.