Eiskunstlauf-legende warnholtz: "ohne ende weitermachen!"

Oberstdorf – Mit 54 Jahren und zwei Titeln bei der inoffiziellen Amateur-WM hat Felix Warnholtz einmal mehr bewiesen, dass das Eis ihm gehört. Der Berliner Eiskunstläufer, der seit 2006 fast jährlich an den Titelkämpfen teilnimmt, spricht offen über seine Leidenschaft, seine Knieprobleme und die Frage, wann er vielleicht doch den Schlittschuh an den Nagel hängen wird.

Ein gefühl, das stärker ist als schmerzen

"Wenn mein Herz spricht, würde ich gern ohne Ende weitermachen," gesteht Warnholtz im Gespräch mit rbb|24. Nach zwanzig Jahren Teilnahme an den Amateur-WM ist es schwer, eine Lieblingserinnerung auszuwählen. "Das erste Mal war natürlich am aufregendsten, weil das etwas ganz Neues war. Aber mittlerweile ist es eine Herzensangelegenheit, die Wiedersehensfreude mit den anderen Läufern und der sportliche Wettkampf.“

Seine Formkurve ist bemerkenswert. "Je älter ich werde, desto besser werde ich," schmunzelt der 54-Jährige. "Man ist dann ein bisschen sicherer und souveräner, der Schlittschuh läuft einfach sicherer.“ Besonders die B-Note, die er durch seine Interpretation immer voll ausschöpft, bringt ihm den entscheidenden Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten.

Warnholtz betont, dass der Wettbewerb zwar wichtig ist, das Treffen mit den anderen Läufern aber noch mehr. "Es ist eine sehr herzliche Atmosphäre. Wir sind quasi eine große Familie.“

Von hamburger seen zu berliner eishallen

Von hamburger seen zu berliner eishallen

Seine Eislaufgeschichte begann auf zugefrorenen Seen in Hamburg, doch der entscheidende Schritt folgte mit 26 Jahren in Berlin. "Meine Trainerin damals war eine Läuferin, die bei den Olympischen Spielen zweimal Bronze gewonnen hatte. Sie war mit Herzblut dabei und hat mich gepusht.“ Das Eiskunstlaufen im Erwachsenenalter war damals noch eher exotisch, doch Warnholtz hat mit seiner Leidenschaft und seinem Talent dazu beigetragen, diese Sportart populärer zu machen.

Seine Arbeit als Buchhalter im IT-Sicherheitsunternehmen vereint er geschickt mit seinem sportlichen Engagement. "Ich habe ein bestimmtes Repertoire, das ich abrufen kann und passend zu neuer Musik und neuen Ideen einsetze.“ Trainingszeiten um 7 Uhr morgens oder 21 Uhr abends sind kein Hindernis – er passt sich dem Sport an, anstatt umgekehrt.

Knieprobleme und die zukunft

Knieprobleme und die zukunft

Allerdings fordert das Eiskunstlaufen seinen Tribut. "Gestern bin ich schon meine Kür mit anfänglichen Schmerzen gelaufen. Jetzt habe ich ein dickes Knie," berichtet Warnholtz ehrlich. Er musste bereits zweimal operieren, und seine Mutter, eine Physiotherapeutin, sorgt sich um ihn. „Was soll ich denn jetzt plötzlich in einer Nordic-Walking-Gruppe machen?“, fragt er rhetorisch und betont, dass er sich etwas anderes suchen müsste, das ihm genauso viel Spaß macht.

Obwohl seine Knie ihn manchmal zwingen, langsamer zu machen, weigert er sich, das Eis zu verlassen. "Wenn mein Herz spricht, würde ich gern ohne Ende weitermachen," wiederholt er mit einem entschlossenen Blick. Die Frage ist, wann die Vernunft und die medizinische Notwendigkeit das Kommando übernehmen werden. Doch bis dahin wird Felix Warnholtz weiterhin seine Pirouetten drehen und die Herzen der Zuschauer erobern – ein Eiskunstlauf-Oldboy, der dem Sport mit Leidenschaft und Ehrfurcht dient.