Eishockey-liga: nur ein trainer hält die nerven – wer ist noch in gefahr?
Die Schweizer National League ist seit der Erweiterung auf 14 Teams ein einziger Balanceakt geworden. Während die Spitze sich hart umkämpft, bangen viele Klubs vor dem Abstieg – und die Trainerbänke knistern wie nie zuvor. Eine Analyse der letzten vier Spielzeiten offenbart ein erschreckendes Bild der Trainerfluktuation und wirft die Frage auf: Wer hält dieser Turbulenz stand?
Die insel der ruhe inmitten des chaos
Während 44 verschiedene Trainer-Konstellationen in den letzten vier Jahren an der Bande standen – und mindestens sechs neue Headcoaches zur kommenden Saison erwartet werden – wirkt die Situation bei den SCL Tigers geradezu surreal. Thierry Paterlini, der unumstrittene „Last Man Standing“, ist der einzige Coach, der seit der Einführung des 14er-Modus ununterbrochen das Zepter in Langnau schwingt. In einer Liga, in der Panik oft bei der ersten Niederlagenserie ausbricht, setzt man bei den Tigers auf Kontinuität und langfristige Entwicklung – ein Modell, das in dieser volatilen Liga seltenheitswert hat.

Das „bern-kloten-ajoie“-dilemma: ein tanz der trainer
Am anderen Ende der Skala befinden sich der SC Bern, der EHC Kloten und der HC Ajoie. Diese drei Klubs sind die wahren „Verschleiss-Spitzen“ der Liga, mit jeweils fünf verschiedenen Übungsleitern in nur vier Jahren. Beim SC Bern, einstiger Branchenprimus, kämpft man weiterhin darum, eine neue Identität nach dem Ende der Jalonen-Ära zu finden. Die Suche nach der richtigen Strategie – von skandinavischer Schule bis hin zu Schweizer Übergangslösungen – spiegelt die ständige Neuausrichtung in der Hauptstadt wider. Mit Serge Aubin erhofft man sich nun endlich die erlösende Konstanz.
Die Zahlen lügen nicht: Bei Kloten haben Jeff Tomlinson und Lauri Marjamäki hervorragende Arbeit geleistet, bevor sie aus unterschiedlichen Gründen den Verein verlassen mussten – gesundheitliche Probleme bei Tomlinson, das Interesse des Konkurrenten Zug bei Marjamäki. Die Engagements von Fleming und Mair verliefen weniger erfolgreich. In Ajoie ist die hohe Fluktuation ein direktes Resultat des ständigen Überlebenskampfes, bei dem oft der Trainer als einzige Stellschraube gedreht werden kann – mit fragwürdigem Erfolg.

Der „nordic drive“: ein neuer trend im schweizer eishockey
Ein interessanter Aspekt dieser Ära ist der zunehmende Einfluss skandinavischer Trainer. Weg von den klassischen nordamerikanischen „Hardlinern“, hin zu den taktisch versierten Skandinaviern wie Jussi Tapola (Bern/Ambrì), Roger Rönnberg (Fribourg) oder Lauri Marjamäki (Kloten/Zug). Finnland und Schweden exportieren derzeit das Know-how, das in der Schweiz den Erfolg bringen soll: modernes, systemorientiertes Eishockey statt purer Emotion. Rönnberg führte den HCFG schließlich zu Meisterehren.

Die effizienz-modelle und die ausnahmen
Auch Top-Adressen wie der EV Zug, der ZSC oder Fribourg-Gotteron weisen mit vier Trainern im oberen Mittelfeld eine beachtliche Fluktuation auf. Doch hier handelt es sich oft um strategische Wechsel oder das Ende langer Ären. Beim EVZ verlief die Nachfolge von Dan Tangnes holprig, bevor Lauri Marjamäki die Geschicke übernahm. Bei den ZSC Lions mussten Rikard Grönborg und Marc Crawford aus unterschiedlichen Gründen Platz machen, wobei Marco Bayer kurzzeitig den Schweizer Meistertitel einfuhr, bevor auch er den Ansprüchen nicht mehr gerecht wurde.
Lausanne HC sticht mit nur zwei Hauptverantwortlichen in den letzten vier Jahren positiv hervor. Die frühere Reputation als „Trainer-Friedhof“ ist längst überwinden. Konstanz korreliert hier direkt mit sportlichem Erfolg. Auch in Rapperswil wurde lange erfolgreich gearbeitet, bevor Stefan Hedlund Opfer der Umstände wurde. Johan Lundskog übernahm und führte die Mannschaft zweimal in die Playoffs.
Mit dem EV Zug, EHC Kloten und SC Bern stehen drei Klubs bereits fest, die für die kommende Saison neue Trainer haben. Bei Genf-Servette und den ZSC Lions läuft die Trainersuche noch auf Hochtouren. Die Liga steht vor einem spannenden Neustart – und die Frage ist, wer am Ende die Nerven behält.
