Eisbären berlin jagen titel trotz chaos-saison: playoff-auftakt in straubing

Sie landeten nur auf Rang sechs, litten unter Verletzungswellen und Saison-Remmidemmi – doch jetzt zählt nur eins: Meisterschaft. Die Eisbären Berlin starten heute in Straubing in die Playoffs und wollen ihre Serie von neun gewonnenen Playoff-Serien in Folge ausbauen.

Der sechste platz brennt noch in den knochen

Für die Berliner war die Hauptrunde eine einzige Achterbahnfahrt: Champions-League-Aus im August, vier Pleiten am Stück im Oktober, ein halbes Jahr Gehirnschmalz für medizinische Staffeln. Mit 29 Siegen aus 52 Spielen standen sie so schlecht da wie zuletzt 2023. Trainer Serge Aubin musste improvisieren, Stammkräfte fehlten, Pässe landeten am Außennetz statt im Slot. Die Folge: keine Heimrecht-Pluspunkte im Viertelfinale, dafür ein Auswärtsspiel gleich zum Auftakt.

Aubin aber redet sich frei: „In den Playoffs beginnt alles bei Null.“ Für den Kanadier ist die Momentaufnahme wichtiger als die Statistik. Und die sagt: Seit der Olympia-Pause holten die Eisbären sechs Siege aus acht Partien, unter anderem gegen Spitzenreiter Köln und den ewigen Kontrahenten aus Mannheim. Weniger Eigenfehler, aggressives Forechecking, zackige Umschaltmomente – das Team fand kurzfristig zurück zur alten Präzision. Fragt sich nur, ob fünf Erfolge hintereinander für ein ganzes Frühjahr reichen.

Straubing will revanche für 2025

Straubing will revanche für 2025

Die Tigers erinnern sich. Vor zwölf Monaten schickten die Eisbären sie mit 1:4-Siegen nach Hause, anschließend zogen die Berliner bis zum Titel durch. Nun haben die Niederbayern Heimrecht und die bessere Ausgangslage. In der Hauptrunde beendeten sie als Fünfter die Qualifikation, holten fünf Punkte mehr als Berlin und profitieren von einer längeren Vorbereitungsphase. Torhüter Timo Pielmeier lieferte Top-Statistiken, die Verteidigung um Top-Scorer Brendan O’Donnell erlaubt im Schnitt nur 2,2 Gegentore pro Spiel – ganz anders als die wackelige Defensive der Hauptrunde.

Dennoch: Erst einmal gewinnen, das haben die Eisbären in den letzten sechs Jahren perfektioniert. Marcel Noebels, Kapitän und Playoff-Allrounder, war in jeder Serie seit 2019 mindestens einmal der entscheidende Akteur. Für ihn ist die Ausgangsposition Nebensache: „Wir wissen, wie laut es wird, wenn wir in Berlin zurückkommen. Aber wir fangen auf fremdem Eis an – und wollen dort direkt den Grundstein legen.“

Kampf um selbstbild statt taktikpapier

Kampf um selbstbild statt taktikpapier

Psychologie statt Power-Play. Die Eisbären müssen beweisen, dass sie auch ohne Heimvorteur einen Playoff-Knockout liefern können. Die Aufstellung ist so gut wie komplett: Verteidiger Jonas Müller kehrte zurück, Stürmer Tim Wohlgemuth ist genesen. Nur die dritte Reihe bleibt eine Bastelei, weil Youngster Louis Bruneau noch Eishacken sucht. Aubin wird wohl wieder mit sieben Verteidigern starten, um die Last auf mehrere Schultern zu verteilen.

Die Straubinger Arena bietet 6.000 Plätze, wird aber akustisch lauter als manche DEL-Hallen mit doppeltem Fassungsvermögen. Die Fans singen sich schon jetzt in Playoff-Stimmung, die Stadionwette „Erstes Tor gewinnt die Serie“ ist in Umlauf. Für Berlin heißt es, genau diesen Schwung zu ersticken – und die eigene Erfolgsserie zu verlängern.

Spiel eins bestimmt die Richtung, sagt die Statistik: In den letzten 13 DEL-Viertelfinals gewann die Mannschaft, die das Auftaktspiel für sich entschied, auch die Serie. Für die Eisbären ist das eine Erinnerung an 2023, als sie gegen München nach einem 0:4-Debakel noch umkehrten. Diesmal wollen sie die Seite wechseln und gleich vorlegen. Denn eines ist klar: Wer in Berlin Meister werden will, muss zuerst in Straubing gewinnen. Punkt. Mit einem Erfolg könnten die Eisbären der Saison endlich die Krise entreißen – und sich selbst wieder in die Spur bringen, die ins Finale führt.