Eintracht frankfurt siegt, doch der glanz bleibt aus: woran rieras system noch krankt
1:0 gegen Heidenheim, Tabellengold im Kampf umEuropa – und trotzdem herrscht im Waldstadion eine merkwürdige Stille. Die Fans applaudieren, doch die Hände klappern halbherzig. Der Sieg schmeckt nach Pflicht, nicht nach Fest.
Albert Riera hat sein drittes Heimspiel in Folge gewonnen, die Abwehr wirkt endlich wie eine verschweißte Einheit, und Arnaud Kalimuendo liefert mit seinem Seitfallzieher das YouTube-Material für die Woche. Dennoch bleibt die große Erleichterung aus. Warum? Weil die Eintracht noch immer wie ein Hochleistungsmotor läuft, dem jemand vergessen hat, das Öl nachzufüllen – viel Druck, wenig Drehmoment.
Riera gewinnt, aber er überzeugt noch nicht
Der Coach setzt auf ein 4-2-3-1, das sich in der Theorie nach Tiki-Taka anhört, in der Praxis aber oft nur ein horizontaler Pass-Fechtkampf wird. Die Ballzirkulation ist schnell, aber nicht zielstrebig. Statistik aus dem Heidenheim-Spiel: 67 Prozent Ballbesitz, nur vier Torschüsse aus dem Zentrum. Das sagt alles. Die Gegner lassen die Eintracht laufen, wissen, dass sie früher oder später quer spielt. Riera spricht von „Kontrolle“, doch Kontrolle ohne Durchstoß ist nur Besitz ohne Biss.
Die zentrale Befreiung fehlt. Jesper Lindström war dieser Turbo, Randal Kolo Muani der Läufer in die Tiefe. Beide weg. Neue Beschleuniger? noch im Versteck. Omar Marmoush wirkt wie ein Flügelstürmer, der vergessen hat, dass Flügel zum Fliegen da sind. Hugo Ekitiké trägt den Begriff „Neun“ auf dem Rücken, spielt aber wie ein zehnhalb, der sich selbst sucht. Die Folge: Kalimuendo muss aus 18 Metern zaubern, weil keiner ihn in 8-Meter-Lage schiebt.

Mainz droht als stimmungstest – und als falle
Am Samstag geht’s nach Mainz. Die 05er haben unter Bo Henriksen wieder gelernt, wie man Leidenschaft in Punkte umrechnet. Im Opel-Arena-Kessel wird nicht nach Ballbesitz gefragt, sondern nach Eiern. Dort kann ein Sieg wie der gegen Heidenheim schnell wie ein Blinddarm wirken: schmerzhaft und überflüssig. Wenn die Eintracht erneut nur 0,8 erwartete Tore aus dem Spiel heraus schafft, wird der Karnevalsverein aus der Pfalz sie abstrafen.
Die Tabelle lügt momentan noch. Platz fünf siegt schön, doch dahinter lauert ein Bündel Teams mit zwei Spielen weniger und frischeren Beinen. Union, Freiburg, sogar Wolfsburg. Die Eintracht hat 2026 schon 47 Pflichtspiele absolviert – mehr als jeder andere Bundesligist. Die Belastung schlägt sich in kleinen Pannen nieder: Knick in der Hüfte, Fehlpass, Sekunde zu spät. Riera spricht von „Micro-Recovery“, doch Mikro ist kein Makro. Das Rhein-Main-Derby kann zur Makro-Entscheidung werden.
Fakt ist: Eintracht Frankfurt gewinnt, aber sie überstrahlt nicht. Solche Siege sind wie Teelichtkerzen – sie halten warm, entzünden aber kein Lagerfeuer. Für die Meute der Waldstadion-Anhänger reicht das nicht. Sie wollen das Gefühl zurück, dass jedes Spiel eine kleine Europareise ist, statt eines Tages, an dem man froh ist, dass er vorbei ist. Mainz wird die Frage beantworten, ob diese Saison noch ein Feuerwerk wird – oder nur ein silvesternder Funken.
