Eibar schlägt zweimal per ecke zu – nolaskoain wird zum königsweg
Ein Eckstoß, ein Zumaia-Typ, drei Punkte. Zweimal binnen vierzehn Tagen hat der SD Eibar auswärts gewonnen – und beide Male war die Antwort auf 0:0 dieselbe: Corpas schlägt den Ball, Nolaskoain trifft. In Leganés wie in Andorra. Die Niederlage gegen die Armee von Andorra gab es gestern nicht, weil Eibar endlich kapiert hat, dass Standardsituationen keine Lotterie sind, sondern Trainingsarbeit.
Fagoagas tafel liefert statt powerpoint-show
José Luis Fagoaga, Co-Trainer und verantwortlich für die Ballparade, hat die Bewegungsabläufe so lange gedreht, bis die Mitspieler nicht mehr gucken, sondern wissen. Erste Variante: kurze Hereingabe von Corpas, Stürmer verlängert, Nolaskoain kommt mit dem Laufweg aus dem zweiten Stock. Zweite Variante: Flanke an den Fünfer, dort wird geklärt, doch der Zumaia-Legionär schiebt mit dem Innenrist nach. Gegen Andorra klappte Variante zwei, gegen Leganés Variante eins. Dazwischen liegt exakt 0,83 Sekunden Reaktionszeit – das hat die Videoanalyse ergeben.
Die Zahlen sind hart: fünf von zwölf Eibar-Toren in dieser Segunda-Season stammen von Ecken. Drei davon hat Nolaskoain erzielt, zwei weitere bereitet. Nur Racing Santander (neun), Castellón (acht) sowie Andorra und Valladolid (je sieben) sind noch effektiver. Wer die Tabelle von unten betrachtet, findet dort Teams, die sich auf „wir kriegen schon irgendwie ein Tor“ verlassen. Eibar hingegen hat ein Konzept – und das wirkt.

Beñat san josé schickt seine innenverteidiger in den strafraum
Trainer Beñat San José lässt seine Center gegen den Ball laufen, statt sie nur zurückhalten zu lassen. Das kostet defensive Stabilität, bringt aber frische Kräfte an den zweiten Pfosten. Die Gegner münden: entweder sie gehen mit, riskieren dabei aber den Abpraller, oder sie lassen Nolaskoain laufen – und er trifft. Die Balance findet sich auf dem Trainingsplatz: vier Mal pro Woche arbeitet Eibar an Standards, zwei davon unter Wettkampfbedingungen mit Trainingsgegner. Die Folge: seit Januar kassierte Eibar aus Ecken keinen Gegentreffer mehr.
Die Moral der Geschichte: Wer glaubt, moderner Fußball sei nur Ballbesitz und Gegenpressing, übersieht, dass ein gut geschlagener Ball vom Eckfahne mehr Wirkung hat als zig Pässe quer über das Mittelfeld. Eibar beweist, dass auch in der Hypermotion-Ära ein simpler Haken Schachmatt bedeuten kann. Das nächste Mal wird niemand mehr überrascht sein – und genau das macht die Sache so gefährlich.
