Eibar knackt 50-punkte-marke und plant schon den nächsten sprung
Die Wundertüte SD Eibar hat die magische Grenze von 50 Punkten gesprengt – und damit nicht nur die Klasse festgemacht, sondern auch den Kompass für Träume neu justiert. Mit neun Spielen noch auf der Uhr sprechen die Basken plötzlich offen über Playoffs, obwohl sie vor zwei Monaten noch im Sumpf der Angst steckten.
San josé und palacios stehen vor der weg-oder-bleib-entscheidung
Vertrag bis 30. Juni, dann heißt es: Koffer packen oder unterschreiben. Beñat San José, der auf dem Rasen zaubert, und César Palacios, der hinter den Kulissen jongliert, wissen: Die nächsten Wochen entscheiden, ob die Erfolgsgeschichte eine Fortsetzung bekommt. Beide haben die Hausaufgaben gemacht – einer mit taktischem Kleber, der andere mit dem zwölftengroßen Etat der Liga.
Den Beweis liefert die Tabelle: Eibar rangiert aktuell unter den besten Acht, obwohl das Gehaltslimit kaum größer ist als das eines Mittelfeldclubs. Palacios lotete jeden Freiraum aus, San José presste aus der Truppe Saft heraus, den keiner ahnte. Drei Winterzugänge, zwei Leihgeschäfte, ein verschärftes Sparring – fertig ist die Mischung, die jetzt mit Real Valladolid und Leganés gleichzieht.
Die Rückrunde ist ein einziger Lehrstoff für Scouting-Abteilungen: Sieben Siege in elf Partien, nur eine Niederlage, dazu das zweitbeste Auswärtssoll der Staffel. Die Fans singen „Aupa Eibar“ und meinen damit längst mehr als bloße Rettung. Das Ziel, bloß nicht abzusteigen, wurde laut interner Runde vor Weihnachten auf „drinbleiben und ruhig nach oben schielen“ umgeschrieben. Jetzt lautet die Devise: „Warum nicht?“

50 Punkte sind kein zufall, sondern ein statement
Der Club, der vor zehn Jahren noch in der vierten Ebene rangierte, treibt die digitale Transformation voran: Datenanalyse, Fan-Token, Echtzeit-Belastungsmessung – alles pilotiert in Ipurua. Palacios nennt das „Investment in Entscheidungssicherheit“. San José verkauft dieselbe Idee seinen Spielern als „clevere Laufarbeit statt blinder Power“. Beide Strategien treffen sich in einem Satz: Laufwege kürzen, Punkte maximieren.
Doch der Etat bleibt ein Zankapfel. Die Liga genehmigte gerade mal 19,4 Millionen Euro Gehaltsmasse – Peanuts gegenüber den 70 Millionen von Granada oder dem Triple der Andalusier. Palacios muss weiterhin mit Leihgebühren, Weiterverkaufsklauseln und Zusatzzahlungen jonglieren. „Wir kaufen nicht einfach Spieler, wir kaufen Zeit“, sagt er. Zeit, um Talente wie Jon Bautista oder Ager Aketxe in den Profitopf zu bugsieren.
Die Vertragsverlängerung der beiden Strippenzieher gilt als Formsache, sofern die Kasse stimmt. Präsident Amaia Gorostiza will bis Ostern Klarheit schaffen. Ein Gespräch mit San José steht bereits Anfang April an, Palacios wartet auf die finale Budgetzusage. Wer jetzt zögert, riskiert, dass andere Klubs die Preise treiben. Der FC Sevilla schickte bereits Fühler aus, Real Betis soll ein Konzept für Palacios auf dem Tisch liegen.
Die Spieler selbst spüren den Zugzwang. Kapitän Anaitz Arbilla betonte nach dem 2:0 in Huesca: „Wir wollen diesen Weg gemeinsam weitergehen, aber wir brauchen Planungssicherheit.“ Übersetzt: Keiner will im Sommer auf einem halbfertigen Bau stehen. Die Kaderplanung für 2026/27 läuft bereits, zwei leihweise verpflichtete Leistungsträger besitzen keine Kaufoption. Ohne grünes Licht aus der Geschäftsführung droht personelles Gedächter.
Die Fans jedenfalls träumen lautstark. 4.500 Mitglieder des Peña Klubs haben sich in einer Online-Umfrage für „Playoff-Angriff“ ausgesprochen. Die Tickets für das Heimspiel gegen Sporting Gijón sind restlos ausverkauft, obwohl die Karten erst seit drei Tagen im freien Verkauf sind. Die Stadt Eibar mit ihren 27.000 Seelen verwandelt sich wieder in eine Fußball-Galaxis, in der selbst Supermarktkassen über Ballbesitzquoten diskutieren.
Am Ende bleibt eine einfache Rechnung: 50 Punkte bedeuten Sicherheit, aber 65 könnten Geschichte schreiben. San José und Palacios halten den Stift bereit. Ob sie unterschreiben, entscheidet nicht nur ihr Herz, sondern auch die Bankbilanz. Der Club hat den Traum wieder wachgeküsst – jetzt muss er ihn bezahlen.
