Edwin vollmer rutscht in die hall of fame: göppingens größte trophäensammler

Die EWS Arena bebte nicht nur wegen des Bundesliga-Krachers gegen Magdeburg. In der Pause schoben Nachwuchskicker eine riesige Tafel über das Parkett – und kühlten die 4.500 Fans zu Ehren von Edwin Vollmer ein. Der 89-Jährige wurde als viertes Mitglied in die neugegründete Hall of Fame von Frisch Auf Göppingen aufgenommen. Die Geste kam spät, aber umso lauter.

Neun meister, zwei europapokale – rekord, den kein göppinger je knackte

1953 stieg der Flügelläufer aus der Jugend von Trainer-Ikone Heinrich Zeller in die erste Mannschaft auf. Was folgte, war eine Dynastie in Grün-Weiß: neun Deutsche Meisterschaften (zweimal Feld, siebenmal Halle) und zwei Europapokalsiege 1960 sowie 1962. Kein anderer Akteur des Traditionsclubs trägt so viel Edelmetall im Wohnzimmer.

Als Spielertrainer führte er den Klub 1962 zur Titelverteidigung im Europapokal der Landesmeister – damals noch ohne heutige Budget-Schlachten, dafür mit kurzen Hosen und Eichenlaub auf dem Trikot. 29 Länderspiele und zwei WM-Teilnahmen komplettierten seine Vita, Bronze 1958 in der Tschechoslowakei inklusive.

Im schatten von kempa, jetzt im rampenlicht der arena

Im schatten von kempa, jetzt im rampenlicht der arena

Lange stand Vollmer neben Stars wie Bernhard Kempa und Horst Singer im Abseits des öffentlichen Gedächtnisses. Die Hall of Fame korrigiert diese Lücke. Die Präsentationstafel ziert fortan das Foyer, ein Ort, an dem sich Sponsoren und Schulklassen zwangsläufig die Klinke in die Hand drücken. Dort wird sein Konterfei jeden Tag neue Fragen nach der grün-weißen Glanzzeit erzeugen.

Frisch Auf hatte die Ruhmeshalle ursprünglich als kleines Seitenprojekt angekündigt. Nach Kempa, Singer und Tim Kneule ist Vollmer nun das vierte Mitglied – und gleichzeitst das mit der längsten Erfolgsliste. Weitere Induktionen folgen „im laufenden Betrieb“, kündigt Manager Alexander Karrer an. Die Messlatte liegt damit schon jetzt atemberaubend hoch.

Als die Uhr auf 60:00 zurückgesprungen war, stand Vollmer auf dem Center-Court, leicht gebeugt, aber mit diesem eiskalten Blick, der einst Verteidiger einschüchterte. Die Arena tobte, die Jugendspieler klatschten im Takt. Ein Moment, der die junge Bundesliga-Truppe nebenan kurz vergessen ließ, dass sie gerade mit 24:23 führte. Denn manchmal ist Halbzeit länger als 60 Sekunden – nämlich wenn Geschichte lebendig wird.