Ederson zurück: atalantas mittelfeld-rakete rollt wieder

Ein Monat war er weg – und Atalanta spürte jede Sekunde. Jetzt ist Ederson zurück, und mit ihm die Drohkraft, die Inter am Sonntag in San Siro zittern lässt. Der Brasilianer steht nach seinem Oberschenkelriss wieder im Kader, wie Trainer Roberto Palladino nach dem Abschlusstraining bestätigte.

Die lücke war größer als erwartet

Ohne Ederson verlor Atalanta vier von sechs Spielen, kassierte neun Gegentore und rutschte auf Platz acht. Die Statistik lügt nicht: Mit ihm auf dem Platz holt die Dea 2,1 Punkte pro Partie, ohne ihn nur 1,3. Die Zahlen sind das eine, das Gefühl das andere. „Er ist unser Turbo“, sagte Sportdirektor Luciano Spalletti vor zwei Wochen, „einer, der aus der Tiefe löchert und gleichzeitig die Kugel klaut.“

Sein letzter Auftritt? Das 2:0 gegen Borussia Dortmund im Achtelfinale der ChampionsLeague, 13. März. Seitdem fehlte die Unruhe, die er bringt – und die Gegner fürchten. 56 Ballgewinne in zwölf Europa-League-Einsätzen, mehr als jeder Mittelfeldspieler außer Reijnders (Milan). Ederson presst, trägt und trifft: drei Tore, zwei Vorlagen, 87 % Passquote.

Inter erwartet einen anderen gegner

Inter erwartet einen anderen gegner

Die Nerazzurri hatten sich in den Videoanalysen auf ein Atalanta ohne Ballgewinnmaschine eingestellt. Jetzt droht ein Umdenken in der Nacht vor dem Spiel. Inter-Chef Simone Inzaghi muss entscheiden: lässt er Calhanoglu tiefer fallen, um Ederson zu blockieren, oder riskiert er die offene Kiste? Beides hat Tücken. „Wenn Ederson frisch ist, verändert er das Gesicht des Gegners“, sagte Palladino gestern mit einem verschmitzten Grinsen. „Und das Gesicht des Spiels.“

Für die Orobici kommt der Einsatz wie ein Schnellpass vor dem Sprint. Die Saison ist auf Messers Schneide: vier Punkte Rückstand auf Platz vier, ein Spiel weniger. Ein Sieg in Mailand würde nicht nur die Lücke schließen, sondern auch das Selbstvertrauen für das Endspurtprogramm tanken: Roma, Milan, Juventus.

Ederson selbst trainierte gestern ohne Schmerzband, mit der leichten Drehfahrt, die ihn auszeichnet. 45 Minuten soll er spielen, vielleicht 60. „Er wird keine halbe Rolle spielen“, sagt Palladino. „Er wird die Rolle spielen.“

Die Uhr tickt. In 36 Stunden pfeift Orsato an. Dann wird klar, ob Atalantas Herzschlag wieder nach Brasilien schlägt – und ob Inter plötzlich mit zwei Spielen gleichzeitig kämpft: eins gegen den Ball, eins gegen den Ederson.