Ecuador schockiert den fußball: die talentschmiede, die deutschland gefährdet

Sangolqui, Ecuador – Ein Name, den deutsche Fußballfans bald häufiger hören werden: Independiente del Valle. Der Verein aus der Nähe von Quito ist nicht nur Schauplatz eines farbenfrohen Maisfestes, sondern eine Talentschmiede, die den ecuadorianischen Fußball revolutioniert und nun auch Deutschland vor eine schwere Aufgabe stellt. Am Donnerstagabend trifft die DFB-Auswahl auf ein Team, dessen Wurzeln tief in den Anden liegen und dessen Aufstieg ebenso unerwartet wie beeindruckend ist.

Der aufstieg einer talentschmiede

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von den 26 Spielern im WM-Kader Ecuadors gehören 16 einer Vergangenheit bei Independiente del Valle an – satte 62 Prozent! Allein im zweiten WM-Spiel gegen Curacao standen acht Spieler in der Anfangself, die einst in den Jugendabteilungen des Vereins kickten. Doch wie ist es möglich, dass ein Klub, der erst 2010 in die erste Liga aufstieg, so schnell zu einer derart bedeutenden Quelle für Nationalspieler und vielversprechende Talente wird?

Der Spanier Miguel Ángel Ramírez, der von 2018 bis 2021 Leiter der Nachwuchsabteilung war, enthüllte das Geheimnis: „Ich besuchte wirklich kleine Dörfer in sehr armen Gegenden, wo alte, bescheidene Trainer mit ein paar Bällen hingingen und sich mit einer Gruppe von Jungen trafen, die am Nachmittag einfach nur Fußball spielen wollten – manche von ihnen ohne richtige Schuhe.“ Independiente del Valle baute Beziehungen zu diesen Trainern auf, um frühzeitig Talente zu identifizieren und in das System zu integrieren.

Piero Hincapie, der inzwischen für 52 Millionen Euro beim FC Arsenal spielt, Willian Pacho, der für über 40 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain wechselte, und allen voran Moises Caicedo, dessen Transfer für 116 Millionen Euro zum FC Chelsea führte – sie alle sind Produkte dieser einzigartigen Talentschmiede. Ramírez erinnert sich: „Caicedo war als Teenager in jeder Hinsicht der beste Spieler in der ersten Mannschaft. Ohne ihn konnten wir nicht auf die gleiche Weise mithalten.“

Mehr als nur training: eine ganzheitliche förderung

Mehr als nur training: eine ganzheitliche förderung

Der Erfolg von Independiente del Valle basiert nicht nur auf der Entdeckung von Talenten, sondern auch auf einer ganzheitlichen Förderung. Die Talente der Akademie leben und trainieren in einem Art Leistungszentrum, werden von Ernährungsberatern und Psychologen betreut. Zusätzlich werden regelmäßig externe Talente zu „Camp“-Einladungen gebeten – eine Maßnahme, die den Wettbewerb spornt und die Qualität der Ausbildung weiter steigert. Simon Escudero, Südamerika-Experte, bestätigte: „Die Nachwuchsakademie des Klubs gehört zu den besten des Landes und neben Palmeiras sogar zu den besten des Kontinents.“

Und dann ist da noch Justin Lerma, der 18-jährige Mittelfeldspieler, der im kommenden Sommer für rund vier Millionen Euro zu Borussia Dortmund wechseln wird. „Derzeit ist er das große Juwel der Nachwuchsabteilung, und niemand erreicht sein Niveau“, so Escudero.

Am Donnerstagabend treffen in Quito zwei Welten aufeinander: Die einer ecuadorianischen Talentschmiede, die den internationalen Fußball aufmischt, und einer europäischen Fußball-Großmacht, die sich beweisen muss. Die Partie wird zeigen, ob die deutsche Nationalmannschaft den Herausforderungen der neuen Generation ecuadorianischer Fußballer gewachsen ist. Die Anden haben gesprochen – und sie sprechen laut.