Der geist von gijón erwacht: wm-modus 2026 verwässert den sport

43 Jahre sind vergangen, seit Horst Hrubesch in El Molinón das 1:0 gegen Österreich erzielte und danach 80 Minuten lang nichts mehr passierte. Heute, am 25. Juni 2026, könnte dieselbe Farce wiederholbar werden – nur diesmal legalisiert durch einen Reglement-Wirrwurf.

Die deutsche Mannschaft schlendert bereits als Gruppensieger in die K.o.-Phase, weil Curaçao und Elfenbeinküste keine Prüfung darstellten. Doch während die DFB-Elf ihre Auszeit genießt, wackelt die sportliche Integrität des Turniers. Denn die FIFA hat 2026 acht Gruppendritte ins Achtelfinale gelassen. Was so harmlos klingt, entpuppt sich als Einladung zum Kalkül.

Algerien trifft erneut auf österreich – und die erinnerung brennt

Genau heute stehen sich im letzten Vorrundenspiel wieder Algerien und Österreich gegenüber. 1982 hatte Algerien Deutschland 2:1 bezwungen und glaubte ans Weiterkommen. Hrubesch und die Österreicher zerstörten diesen Traum mit einem stillschweigenden Vertrag. Die FIFA reagierte damals mit der zeitgleichen Anstoßregel. Doch 2026?

Die Regel ist Makulatur. Teams, die später spielen, wissen exakt, welches Ergebnis sie brauchen – dank der Gruppendritten-Bewertung über alle Gruppen hinweg. Ein 0:0 kann genauso reichen wie ein 1:0, wenn andere Partien die passenden Tore liefern. Der Nichtangriffspakt von Gijón wäre heute kein Skandal, sondern schlichte Taktik.

Spanische Zeitungen titeln bereits: „Vuelve la vergüenza“. Die Bilder von 1982 sind unvergessen: 40.000 Zuschauer pfeifen sich heiser, wedeln mit weißen Taschentüchern wie beim Corrida-Fehltritt. Algerier im Stadion halten Scheine in die Kamera – Symbol für gekaufte Spiele. Die FIFA schwieg damals, doch das Echo hallt bis heute nach.

Thomas müller warnt: „kalkül vergiftet die magie“

Thomas müller warnt: „kalkül vergiftet die magie“

Thomas Müller, der seine Erfahrung aus vier Weltmeistern einbringt, schüttelt den Kopf: „Wenn wir wissen, dass ein Remis reicht, verändert das jede Bewegung auf dem Platz. Der Zufall stirbt.“ Damit trifft er den Kern. Sport lebt vom Unvorhersehbaren. Sobald Excel-Tabellen das Spiel lenken, wird Fußball zur Schachpartie.

Die FIFA argumentiert, mehr Teams böten mehr Chancen für kleine Fußballnationen. Realität: Sie schafft Parcours, in denen ein Gruppendritter mit zwei Niederlagen weiterkommen kann. Die Logik des Sports wird verkehrt. Wer verliert, kann gewinnen – wenn die Konstellation passt. Das ist nicht global, das ist absurd.

Die lösung liegt auf dem platz – nicht im reglement

Die lösung liegt auf dem platz – nicht im reglement

1982 führte der Aufschrei zur zeitgleichen Spiele. 2026 bräuchte es weniger Teams statt mehr Regeln. Oder einen neuen Modus: Jeder Gruppendritte spielt gegen einen anderen Gruppendritten – ein Losentscheid ohne Rechenspiele. Doch das kostet TV-Einnahmen. Und da schweigt die FIFA.

Am 25. Juni 2026 wird El Molinón wieder Mittelpunkt sein. Ob Österreich und Algerien ein neues Kapitel schreiben oder ein altes wiederaufleben lässt, liegt nicht an ihnen. Das System zwingt zum Kalkül. Der Geist von Gijón ist zurück – nur diesmal sitzt er im Reglement, nicht im Versteck der Umkleidekabine.

Die letzte Hoffnung: Ein Spieler, der den Ball ins eigene Tor donnert, um die Absurdität zu entlarven. Ironie der Geschichte – 1982 hätte das als Skandal gegolten. 2026 wäre es nur konsequent.