Eberl vor den trümmern: bayern zögert – 50:50 über 2027
50:50. Keine Quote für Pokal-Auswärtsspiele, sondern die Wahrscheinlichkeit, dass Max Eberl beim FC Bayern auch nach 2027 noch das Sagen hat. Intern kursiert die Zahl seit Wochen, jetzt spricht sie laut. Und sie lässt die Kurve in der Säbener Straße erzittern.
Die Verträge von Jan-Christian Dreesen, Christoph Freund und eben Eberl enden gleichzeitig am 30. Juni 2027. Während Dreesens Verlängerung als Formsache gilt und Freund sich ohnehin auf der Siegerstraße sieht, steht Eberl plötzlich auf dem Prüfstand. Der Mann, der Vincent Kompany holte, Michael Olise und Jonathan Tah an Land zog und den Kader auf 23 Feldspieler trimmte, muss sich fragen lassen: Vertraut man ihm wirklich?
Ein schmadtke-zwischenfall sagt mehr als protokolle
Der Fall Nils Schmadtke liefert die Antwort. Eberls Wunschverstärker im Scouting bekam statt der erhofften Langzeitlösung nur ein Zwölf-Monate-Geschenk. Signal: Vertrauen ist angezählt. Sollte Eberl gehen, läuft auch Schmadtkes Zeit 2027 aus – ein Parallel-Countdown, der beide Männer in Geiselhaft nimmt.
Die Kritik kommt nicht aus der Kurve, sondern aus dem Aufsichtsrat. Eberl informiert zu spät, zu schnell, zu teuer. Beispiel Kingsley Coman: Eberl einigte sich mit Al-Nassr auf 25 Millionen Euro. Dreesen schaltete sich ein, korrigierte nach – 30 Millionen flossen am Ende. Fünf Millionen Differenz, weil die Hierarchie nicht synchron lief. Ein Vorgang, kein Vorfall. Aber er nagt.

Hoeneß' „zu empfindlich“-kommentar schwingt noch nach
Uli Hoeneß hatte Eberl im Sommer öffentlich als „zu empfindlich“ bezeichnet. Intern heißt es, der Kommentar sei programmatisch gewesen. Wer mit Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge an einem Tisch sitzt, muss aushalten, dass Meinungen knallen. Eberl schweigt, verhandelt, holt trotzdem Jamal Musiala, Joshua Kimmich und Alphonso Davies unter Vertrag – allerdings zu Preisen, die selbst bei Bayern die Lohnliste sprengen.
Die Xavi Simons-Episode setzte dem Treiben die Krone auf. Eberl und Kompany wollten, der Aufsichtsrat blockierte. 65 Millionen Euro Ablöse für einen Spieler, den man eigentlich schon in der eigenen Hälfte hat – zu teuer, zu riskant. Simons landete bei Tottenham, Bayern sparte. Die Lektur: Eberl plant groß, der Rat zahlt klein.
Nächste Stopp: Mai-Termin im Aufsichtsrat. Dort wird nicht nur über neue Verträge gesprochen, sondern auch über neue Machtverhältnisse. Markus Krösche aus Frankfurt? Kein Thema. Intern gilt die Lage als beruhigt – solange Dreesen und Freund die Fäden halten. Eberl aber muss liefern, nicht nur sportlich. Er muss die Bosse überzeugen, dass 50:50 nicht die letzte Zahl seiner Bayern-Geschichte ist.
Die Uhr tickt. Drei Jahre klingen lang, in der Fußball-Bürokratie sind es ein Wimpernschlag. Wenn im August die Tagesordnung fällt, steht ein Name unter Beschluss: Max Eberl. Bleibt er, ist die Überraschung perfekt. Geht er, war die halbe Chance doch keine.
