Dzeko schlägt 18 jahre später zu – schalke und elversberg halten sich im aufstiegsrenmen fest
18 Jahre, 6782 Tage, ein Tor. Das ist die Kurzfassung eines Abends, der die 2. Liga erbeben lässt. Schalke 04 schlägt Arminia Bielefeld 1:0, Dzeko trifft – und plötzlich ist wieder alles offen im Rennen um die Bundesliga.
Kenan Dzeko war einst der Wolfsburger Jungspund, der gegen Bielefeld sein Debüt gab – ohne Treffer. Jetzt, mit 36 Jahren, ist er die Lok, die die Knappen zurück ins Oberhaus ziehen soll. Sein Kopfball prallt an die Latte, er selbst staubt ab. Fünfter Saisontreffer, alle im Parkstadion. Zahlen, die sich wie ein Manifest lesen.
Ramaden-pause, kersken-show, abseits-geschrei
Nach 22 Minuten pfeift Schiedsrichter Franz Bokop kurz durchs Mikro, die Fastenden laufen raus, ein Schluck Wasser, ein Tiefschluck Luft. Danach wird es wild. Karaman scheitert, El-Faouzi scheitert, Kersken wird zum Bielefelder Beton. Zweimal rettet er mit den Fingerspitzen, einmal mit der Innenseite. Dann der Moment, der hätte kommen können: Grodowski schiebt ein, die Fahne geht hoch – Abseits. Die Nordkurve atmet durch.
Die letzte Heimpleite gegen Bielefeld datiert aus dem September 2007, 3:0. Seitdem war jeder Schalke-Sieg im eigenen Stadion ein seltenes Tier. Bis Freitagabend. Bis Dzeko.
Elversberg wackelt, siegt, bleibt oben
120 Kilometer südwestlich schlägt SV Elversberg den 1. FC Magdeburg mit 1:0. Erst in der 85. Minute macht Poreba den Deckel drauf. Im Hinspiel hatte es 4:0 gehagelt, diesmal zittert der Dorfklub. Magdeburg trifmt die Latte, vergibt einen Elfmeter, dominiert die erste Halbzeit. Doch die Westpfälzer haben diese Saison gelernt, dass späte Tore drei Punkte wert sind. Sie bleiben punktgleich mit Schalke an der Spitze – bei einem Spiel weniger.
Die Tabelle ist ein Pulsmesser: zwei Punkte trennen Platz eins von Platz drei, vier Teams haben realistische Chance. Kein Promotionskampf war jemals so offen. Und kein Spieler hat so lange auf sein entscheidendes Tor gewartet wie Dzeko.
Am Sonntag schaut die Liga nach Hamburg, wo St. Pauli empfängt. Dann rollt der Ball wieder in Fürth, in Kiel, in Karlsruhe. Aber die Spur, die Freitagabend gezogen wurde, bleibt sichtbar: Schalke ist zurück in der Spur – und Elversberg spürt den Atem der Großen im Nacken.
