Dzeko rettet bosnien, fordert italien heraus: „große nation unter druck“

Zenica wird zum Kessel. Edin Dzeko, 40 Jahre alt und immer noch entscheidend, schleuderte Bosnien mit dem Kopfball seines Lebens ins Elfmeterschießen und jetzt wartet Italien. Der viermalige Weltmeister, seit 2014 WM-frei, muss am Dienstag ins Grbavica-Stadion – und genau das ist Dzekos Kalkül.

Ein tor in der 86. minute, ein ganzes land in ekstase

Cardiff war kurz davor, zu feiern. Dan James hatte Wales nach 51 Minuten vor 30.000 walisischen Kehlen in Führung geschossen, Bosniens Torwart Nikola Vasilj hatte den Ball durch die Hände gleiten lassen. Die Play-off-Teilnahme schien geplatzt. Doch Dzeko stieg in der 86. Minute bei einer Ecke höher als jeder Waliser, knallte die Kugel zum 1:1 unter die Latte – und plötzlich war alles offen.

Verlängerung. Elfmeter. Ermedin Demirovic scheiterte, doch Vasilj parierte den entscheidenden Schuss von Ben Davies. Der 19-jährige Kerim Alajbegovic, in Köln geboren und erst seit diesem Jahr A-Nationalspieler, verwandelte den letzten Elfmeter. Bosnien steht im Finale. Italien zittert.

Italien als favorit? dzeko lacht

Italien als favorit? dzeko lacht

„Sie sind die große Nation, aber sie haben die letzten zwei Weltmeisterschaften versenkt“, sagt Dzeko mit dem kühlen Blick eines Mannes, der acht Jahre Serie A bei Rom, Inter und Florenz gespielt hat. „Das macht sie verwundbar. Und wir spielen zu Hause.“ Zenica, 15.000 Plätze, wird kochen. Die Gästekurve wird aus Mailand, Turin und Neapel anreisen – aber die andere Hälfte des Stadions trägt die blau-goldene Flagge mit dem goldenen Lilienwappen.

Italien schlug Nordirland 2:0, doch die Partie war müde, ohne Idee. Luciano Spalletti rotiert seit Wochen, weil seine Stammspieler von City, Inter und Juve erschöpft zurückkommen. Der Druck sitzt tiefer als die Taktik. Ein Land, das Fußball erfunden hat, muss jetzt in den Balkan reisen, um nicht erneut zu scheitern.

Warum bosnien gewinnen kann

Warum bosnien gewinnen kann

Die Statistik lügt nicht: Bosnien gewann fünf der letzten sechs Heimspiele. Dzeko erzielte in den Play-offs bereits sieben Tore. Sergej Barbarez, heute Coach, kennt Italien aus seiner Bundesliga-Zeit bei Bayer Leverkusen. Und dann ist da noch Amar Dedic, 22, Rechtsverteidiger von Red Bull Salzburg, der in Cardiff Gareth Bale-Typen auslöschte und jetzt Federico Chiesa kriegen will.

Der Knackpunkt: Italien muss gewinnen. Bosnien darf auch 0:0 spielen und auf Elfmeter hoffen. Genau das Szenario, das Dzeko liebt – und das die Squadra Azzurra seit dem verlorenen WM-Final-Ticket 2022 hasst.

Wenn Dienstagabend der Schiri pfeift, wird der Himmel über Zenica schwarz von Rauch und Hoffnung. Dzeko wird anstoßen – nicht mit Sekt, sondern mit einem Schlag auf den Walisischen Rasen. Danach fliegt entweder Bosnien erstmals seit 2014 wieder zur WM – oder Italien schlägt erneut die Kapitänsbinde ins Gesicht der Geschichte. Eines ist klar: Nur eine große Nation wird weinen. Und Dzeko hat schon gewählt, wer das sein wird.