Dzeko gegen italia: zenica wird zur falle für die azzurri

20.45 Uhr, Bilino Polje, Zenica: Dort, wo der Bergwind schon manchen Ball mitnahm, steht Edin Dzeko mit 40 Jahren vor seiner letzten WM-Luke. Italien wartet seit zwölf Jahren auf dieselbe Tür. Einer fliegt raus. Kein Halten, kein Rückspiel.

Dazn öffnet die schleusen, bosnien zieht die brücke hoch

Der Streamingdienst DAZN zeigt das Finale der Play-off-Lotterie exklusiv. Für Schalke-Stürmer Dzeko ist es die sechste WM-Premiere in Serie – oder das endgültige Aus. Sechs Tore in acht Zweitliga-Spielen, dann der 86.-Minute-Ausgleich gegen Wales. «Wir haben das Finale verdient», sagt er, und seine Stimme klingt wie ein Hammer auf Amboss. Die Italiener? Sie reden von Monstern.

Sandro Tonali, Regista von Newcastle, packt es aus: «Wir haben ein bisschen Monster gesehen.» Gemeint ist nicht Dzeko, gemeint ist die Angst, wieder zuhause zu sitzen, wenn in Katar eröffnet wird. Seit 2014 flog keine italische Mannschaft mehr zur WM, damals noch mit Balotelli und Pirlo. Jetzt ist Gennaro Gattuso Chef, und er schickt seine Spieler nicht zum Kreisen, sondern direkt in den Hexenkessel. «90 Minuten, um den Traum zu retten», sagt er knapp.

Vier siege aus sechs duellen – aber zenica zählt nur einmal

Vier siege aus sechs duellen – aber zenica zählt nur einmal

Die Statistik lügt nicht, sie verliert nur an Bedeutung, wenn 15 000 Bosnier ihre Kehlen aufreißen. Italien gewann vier der bisherigen sechs Aufeinandertreffen, doch das letzte Länderspiel in Zenica endete 1:1. Seitdem wurde das Stadion um 3 500 Sitzplätze erweitert – Platz für neue Schicksale. Der Rasen ist frisch gesät, die Luft schon rau.

Bosnien wird auf drei Innenverteidiger umstellen, um Tonali und Barella die Laufwege zu verbauen. Italien setzt auf Chiesa und Scamacca, um die Räume, die Dzeko zwischen den Ketten erzeugt, sofort zu nutzen. Die Taktik ist klar: wer zuerst trifft, zwingt den Gegner in die offene Klinge. Denn ein 0:0 hilft niemandem, es gäbe Verlängerung, Elfmeter, Roulette.

Der countdown läuft, die koffer bleiben offen

Der countdown läuft, die koffer bleiben offen

In Sarajevo hängen bereits Plakate mit Dzekos verschwitztem Gesicht. In Rom titelt die Gazzetta: «Basta errori». Die Selecção ist bereit, die Squadra Azzurra auch. Nur einer darf nach Katar, nur einer darf weiterträumen. Um 22.30 Uhr steht ein Kontinent still, eine Karriere ist entweder verlängert – oder beendet. Zenica wird zur Arena, nicht zur Fußballoper, sondern zur Gladiatorenschlacht. Wer zögert, fliegt.

22.47 Uhr, voraussichtlich. Dann steht fest, ob Dzeko seine letzte Mission erfüllt hat oder ob Italien endlich wieder eine Weltmeisterschaft bestreiten darf. Die Uhr tickt lauter als die Vuvuzelas. Keine Rückspiele mehr, nur noch ein einziges Mal 90 Minuten – oder 120 – oder Elfmeter. Zenica hält den Atem an.