Duplantis lässt torun jubeln – gold ohne rekord, aber mit geschichte

6,25 m reichen. Armand Duplantis lässt den Stab wieder in die Matte klatschen, stapft einmal quer durch die Anlaufbahn und grinst wie der 20-Jährige von vor sechs Jahren. Damals flog er hier erstmals über eine Weltrekordmarke, am Samstagabend holt er in Torun seine vierte Hallen-WM – und braucht dafür keine neue Bestmarke. Die Konkurrenz liegt zwei Stockwerke tiefer.

Der Schwede klatscht in die Hände, wedelt die Arme, als wolle er die polnische Luft selbst nach oben schubsen. Die Arena tobt. Karalis und Marschall? 6,05 m und 6,00 m. Für Duplantis ein halber Sprung Vorsprung, für die Rivalen das Maximum.

Die serie lebt – 44 siege, null niederlagen

Seit Februar 2020 hat niemand mehr ein Stabhochsprung-Finale ohne den 25-Jährigen beendet. 44 Wettkämpfe, 44 Siege. Die Zahl klebt wie ein Markenzeichen an seinem Instagram-Profil, aber auf der Anlaufbahn wirkt sie längst normal. Normal ist für ihn, was für andere atemberaubend ist.

Die 6,31 m aus Uppsala vor zwei Wochen? Nur eine Fußnote. Die 6,25 m von Torun? Ein Souvenir. „Ich wollte hier gewinnen, nicht rekordieren“, sagt er im Mixed-Zone-Interview, und man glaubt ihm sofort. Wer 15-mal die Latte höher legt, darf sich auch mal mit dem Erfolg selbst zufrieden geben.

Ehammer pulverisiert eatons jahrhundertleistung

Ehammer pulverisiert eatons jahrhundertleistung

Ein Schweizer räumt nebenan ab und sorgt für die zweite Sensation des Abends. Simon Ehammer läuft, springt, wirft 6670 Punkte zusammen – und schlägt Ashton Eatons Hallen-Weltrekord aus dem Jahr 2012 um 25 Zähler. Der 26-Jährige jubelt wie ein Sprinter, obwohl er sieben Disziplinen geschleppt hat. Die Schweiz hat ihren neuen Allround-König, der Rest der Welt ein neues Maß im Siebenkampf.

Die deutschen Farben? Verhalten. Manuel Eitel wird Neunter, 5818 Punkte, keine Medaille, aber Erfahrung. Die Sprinterin Philina Schwartz sprintet 7,20 s im Halbfinale – zu langsam für das Finale. Malaika Mihambo schaut vom Zuhause-Aus, spart sich für den Sommer. Das 14-köpfige DLV-Team reist ohne Hardware heim.

Duplantis’ reich wächst – und wartet auf den nächsten sommer

Duplantis’ reich wächst – und wartet auf den nächsten sommer

Die Hallensaison ist vorbei, aber die Saison Duplantis läuft weiter. Olympia in zwei Jahren, nächste Galas, nächste Rekordversuche. Er selbst redet vom „kalten Kaffee“ der Halle, meint: „Draußen wird’s richtig heiß.“ Die Latte liegt schon wieder ein paar Zentimeter höher in seiner Gedankenhalle.

Torun feiert ihn wie einen lokalen Helden. Die Bahn, auf der er einst Traum und Rekord verband, ist nun Schauplatz seiner Routine. Gold ohne Weltrekord – und trotzdem ein Stück Sportgeschichte. Wer 44 Mal ungeschlagen bleibt, schreibt keine Folge, sondern ein Regelwerk. Der nächste Gegner heißt: Schwerkraft. Bis dahin fliegt Duplantis weiter, und die Latte folgt.