Dtb trennt sich von boorman – kunstturn-forum verliert us-star-trainerin
Die Experiment-Phase ist vorbei, das Ergebnis ernüchternd: Aimee Boorman, die Coach, die Simone Biles zur meistdekorierten Turnerin der Geschichte schickte, verlässt Stuttgart mit sofortiger Wirkung. Der Deutsche Turner-Bund bestätigte am Montag, dass der Vertrag vorzeitig aufgelöst wurde – nach nur zwölf Monaten statt der ursprünglich geplanten vier Jahre.
Vertrauensvorschuss wurde zur hypothek
Als Boorman im März 2025 landete, galt sie als Hoffnungsträgerin. Nach den Missbrauchsskandalen am Bundesstützpunkt sollte ein „neuer Wind“ wehen, bestellte DTB-Präsident Alfons Hölzl. Die US-Amerikanerin bekam einen Vertrag bis Olympia 2028 und das Mandat, deutsche Kunstturnerinnen wieder in die Weltspitze zu führen. Doch schon nach den ersten Trainingslagern sickerte durch: Die Athleten fanden sich schwer mit Boormans Methodik, einer Mischung aus US-College-Mentalität und analytischem Video-Feedback. Ein internes Evaluationsspapier, das SWR Sport vorliegt, listet „Kommunikationsprobleme“ und „unterschiedliche Erwartungshaltungen“ auf.
Die Zahlen sind eindeutig: In der vergangenen Weltcup-Saison sprangen deutsche Turnerinnen viermal unter 52 Punkten – so schwach wie seit zehn Jahren nicht. Pauline Schäfer, einzige deutsche Medaillenhoffnung für LA 2028, verletzte sich im Februar und sagt heute offen: „Es fehlte die vertraute Nähe.“ Die Atmosphäre im Training sei „angespannt, fast klinisch“ gewesen.

Dtb zieht die reißleine – experten fordern radikalen neuanfang
„Die Zusammenarbeit hat nicht funktioniert, wie es nötig gewesen wäre“, kommentiert der Verband knapp. Intern heißt es, Boorman habe wiederholt externe Berater ins Lager geholt – ohne Absprache mit der Bundesstützpunktleitung. Auch ihre Forderung nach einem eigenen Physio- und Mentoring-Team stieß auf Widerstand. Jetzt übernimmt Übergangsweise Bundestrainerin Anke Drechsel, die bereits 2016 in Rio Silber holte. Sie bekommt freie Hand, das Lager personell neu zu besetzen.
Der Ruf nach Strukturreform wird laut. Ex-DTB-Leistungssportdirektor Lutz Nordmann spricht von „fehlender Fehlerkultur“ und fordert eine Task-Force, die „athletische Kompetenz mit psychologischer Expertise“ vereint. Sonst drohe der Verlust des olympischen Kerns. Denn vier Jahre vor LA 2028 steht das Kunstturn-Forum auf dem Prüfstand – und diesmal zählt kein PR-Slogan, sondern nur noch die Leistung auf dem Teppich.
