Dsv-staffel verspielt podest in otepää: 18 nachlader, vier strafrunden – saisonfinale wird zur zitterpartie

Die Mixed-Staffel der deutschen Biathleten ist im estnischen Otepää mit einem Knall auf Platz fünf geprallt. Was als Podestjagd begann, endete im Schneegestöber von 18 Nachladern und vier Strafrunden – ein Debakel, das die Startplätze für den kommenden Weltcup gefährdet.

Windlotterie und frühlingssonne: otepää spielt verrückt

Die Bedingungen auf der 2,5 km-Runde um das Tehvandi-Stadium waren ein Wetterleuchten: Auf der Schattenseite klamm, auf der Sonnenseite schon matschig. Der Wind peitschte quer über die Schießbahn, sodass selbst Olympia-Gewinner ihre Scheiben nur noch erahnten. Genau dort, auf den beiden gläsernen Inseln, zerbarst der deutsche Traum.

Philipp Nawrath lief als Starter mit leichten Schritten, aber zitternder Visierung. Liegend traf er vier Mal sauber, dann verbrauchte er seine letzten vier Patronen auf die letzte Scheibe – ein Bild für die Götter. Stehend ging’s zur Schießerei: drei Fehlschüsse, dann Klick-Klick-Klick, alles drin, keine Strafrunde. „Ich hab nur noch gezielt und gehofft“, sagte er hinterher, „mein Puls war ein Bassdrum.“

Philipp Horn bekam die Staffel als Vierter übergeben, 8,8 Sekunden Rückstand – machbar. Doch was folgte, war eine Schießkatastrophe im Zeitraffer. Drei Strafrunden, 450 Meter Strafloipe, dabei noch Johan-Olav Botn als prominenten Begleiter. „Ich ärgere mich“, presste Horn zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus, „drei Runden sind kein Zufall, das ist Blackout.“

Grotian und thannheimer retten die restehre

Grotian und thannheimer retten die restehre

Selina Grotian, zuletzt selbst vom Selbstzweifel gebeutelt, jagte mit nur einem Nachlader pro Serie und schob das deutsche Boot wieder in die Top-Ten. „Ich hab mehr gezittert als geschossen“, gab sie zu, „aber heute habe ich bewiesen, dass ich noch kann.“ Ihre 2:24-Minute-Hypothek reduzierte sie auf 40 Sekunden – das Podest zwar nicht greifbar, aber die Kirche im Dorf.

Julia Thannheimer legte im Liegendschießen nach: eine Serie fast im Sekundentakt, nur ein Nachlader. Doch der Wind drehte sich wieder, als sie ins Stehendanschießen ging. Ein Fehlschuss, ab in die Runde, und der dritte Platz war passé. „Ich hab alles riskiert, aber das Ziel war ein Scheibenkasino“, sagte sie mit tränenfeuchten Laughen.

Dahinter lachten die Underdogs: Die Schweiz schoss sich mit sechs Nachladern auf Silber, die USA krönten Margie Freed trotz Windzitter-Nerven mit Bronze. Schweden gewann nicht durch Perfektion, sondern durch das kleinere Fehlerkonto – eine Strafrunde, 14 Nachlader, reichte für Gold.

Jetzt zählt jeder punkt: oslo wird zur schicksalswoche

Jetzt zählt jeder punkt: oslo wird zur schicksalswoche

Die deutschen Skijäger verlassen Estland als Fünfte der Nationenwertung – ein Platz, der sie erst einmal mit sechs Startplätzen pro Rennen absichert. Doch der Vorsprung auf Platz sechs, Norwegen, schrumpft auf 28 Punkte. Im Holmenkollen winken doppelte Punkte, da kann eine Runde Strafe reichen, um den Zugang zur Weltcup-Elite zu verlieren.

Die Konsequenz: In Oslo zählt nicht nur das Schießen, sondern die Psyche. Wer nach Otepää denkt, wird dort erneut scheitern. Die Faszination des Sports bleibt unberechenbar – und genau deshalb werden wir wieder zuschauen, mit klopfendem Herzen und zitternder Visierung.