Dsv stutzt damen-team, liebt herren-trainer – trotz historischer pleite

Zum ersten Mal seit Einführung der Weltcup-Siegerliste bleibt eine deutsche Biathlon-Saison ohne ein einziges Erfolgsfoto auf dem obersten Treppchen. Kein Olympisches Edelmetall, kein Weltcup-Sieg – und trotzdem heißt es für die männliche Trainerschaft: Weiter so. Tobias Reiter und Jens Filbrich behalten ihre Jobs, während die Damen-Coaches Kristian Mehringer und Sverre Olsbu Röiseland freigestellt werden. Ein Schlag ins Gesicht der Statistik.

Null medaillen, null konsequenzen – bitterling erklärt, warum

DSV-Sportdirektor Felix Bitterling sieht keinen Grund für personelle Einschnitte beim Herren-Team. „Die beiden arbeiten erst zwölf Monate zusammen, da ist viel Gutes passiert“, rechtfertigt er sich. Tatsächlich übernahm Reiter im Februar 2023 nach dem Rücktritt von Uros Velepec die verwaiste Position. Filbrich ist seit der Saison 2023/24 dabei. Bitterling schwört auf „Zeit, Vertrauen und Ausdauer“. Die Frage ist nur: Wie viel Saison-Kapital verbraucht der Verband noch, bevor das Konto der Geduld leer ist?

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Platz sieben in der Nationenwertung, durchschnittliche Schussquote von 84 %, nur zwei Podestplätze – Philipp Nawraths dritter Rang in Oslo und sein zweiter Platz im Sprint von Otepää. Beide Male hinter Norwegens Überflieger Johan-Olav Botn. Für die größte europäische Skination ist das ein Armutszeugnis.

Frauen bekommen neuen anstrich – preuß-abgang macht suche brisant

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Während die Männer sich auf Kontinuität verlassen dürfen, räumt der Verband bei den Frauen auf. Mehringer wechselt intern, Röiseland kehrt nach Norwegen zurück. Wer künftig die Damen betreut, steht in den Sternen – besonders, nachdem Weltmeisterin Franziska Preuß ihren Rücktritt erklärt hat. Ihr Aus reißt ein Loch in die deutsche Spitzengruppe, das selbst ein zweistelliger Milliardenetat nicht sofort kitten kann.

Die Kluft zwischen Geschlechtern wird zum Imageproblem. Wenn der männliche Teil der Mannschaft trotz historischer Talfahrt geschont wird, während die Frauen nach einem soliden, aber medaillenlosen Winter die Köpfe rollen, wirft das Fragen nach Gleichbehandlung und Leistungsmaßstäben auf. DSV-Präsident Franz Steinle hat bisher kein Krisen-Statement abgegeben.

Nawrath liefert feuergegenwehr – aber wie lange noch?

Nawrath liefert feuergegenwehr – aber wie lange noch?

Philipp Nawrath ist mit 33 Jahren kein Frühling mehr, doch er beweist, dass Zielgenauigkeit keine Altersfrage ist. Seine zwei Podestplätze am Saisonende sind das einzige Aspirin gegen die kollektive Medaillen-Migräne. Doch selbst er warnt: „Wir können nicht von einzelnen Highlights leben.“ Der Routinier weiß, dass seine Karriereuhr tickt. Wenn der Nachwuchs nicht schnellstens nachrückt, verflüchtigt sich der Hoffnungsschimmer.

Der Deutsche Skiverband setzt auf Geduld. Ob sich diese Wette auszahlt, entscheidet sich bereits im November, wenn die neue Weltcup-Saison in Kontiolahti beginnt. Dann muss Reiters Team liefern – sonst wird auch der letzte Fan verstehen, dass Zeit kein Allheilmittel ist, sondern nur verzögert, was Statistik früher oder später fordert: Konsequenzen.