Dressur-wm: bredow-werndl verzichtet – weitblick statt risiko!
Aachen steht vor der Tür, und das deutsche Dressur-Team muss eine weitere Hiobsbotschaft verkraften: Doppel-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl sagt für die Heim-WM ab. Ein schwerer Schlag für die Hoffnungen auf eine Medaille, doch die Entscheidung der Reiterin zeigt, dass sportlicher Erfolg manchmal auch bedeutet, auf eine Chance zu verzichten.

Kismet braucht zeit: geduld statt hektik
Die Entscheidung von von Bredow-Werndl und ihren Besitzern fiel offenbar nicht leicht. „Gemeinsam haben wir uns bewusst dafür entschieden, ihr die Zeit zu geben, die sie braucht“, erklärte die Vielfach-Olympiasiegerin am Sonntag. Hinter dieser nüchternen Aussage verbirgt sich ein Kalkül, das weit über den kurzfristigen sportlichen Erfolg hinausgeht. Kismet, die elfjährige Stute, befindet sich in ihrer ersten Grand Prix Saison und bringt laut von Bredow-Werndl ein „außergewöhnliches Talent“ mit sich. Genau das macht den sorgfältigen Aufbau so wichtig.
Es ist ein Balanceakt: Einerseits der Druck, bei einer Heim-WM zu punkten, andererseits die Verantwortung, ein junges Pferd nicht zu überlasten. In der heutigen Zeit des Leistungsdrucks und der ständigen Verfügbarkeit ist es mutig, auf eine Chance zu verzichten, wenn man überzeugt ist, dass es langfristig der richtige Weg ist. „Im Spitzensport ist es oft verlockend, jede Chance nutzen zu wollen. Doch Verantwortung bedeutet manchmal auch, auf eine Chance zu verzichten, wenn man überzeugt ist, dass es langfristig der richtige Weg ist“, so von Bredow-Werndl.
Neben Bredow-Werndl musste bereits Ingrid Klimke für das Nationenpreis-Turnier absagen, und auch Charlott-Maria Schürmann hatte kurzfristig abgesagt. Raphael Netz mit Great Escape Camelot rückt nun nach und komplettiert das Team um Isabell Werth, Semmieke Rothenberger und Frederic Wandres. Werden sie die Abwesenheit von Bredow-Werndl kompensieren können? Die Antwort gibt der Wettkampf.
Die Entscheidung von Jessica von Bredow-Werndl ist exemplarisch für den modernen Sport: Es geht nicht nur um Siege, sondern auch um die Gesundheit und das Wohlergehen der Pferde. Eine Entscheidung, die das große Ganze im Blick hat, auch wenn sie kurzfristig schmerzt.
